Mobil im Rollstuhl bei Eis und Schnee? Hier bekommt Ihr Hilfsmittel und Tipps vom Experten der Orthotec – damit Ihr gut durch den Winter kommt

Endlich ist der Winter da … und mit ihm so viel Schnee wie lange nicht mehr!

So wunderschön das auch fürs Auge ist – für Rollstuhlfahrer sind Eis und Glätte noch viel gefährlicher als für Fussgänger. Tiefer Neuschnee ist im Rollstuhl oft ein unüberwindbares Hindernis.

Damit Ihr nicht im Schnee stecken bleibt, haben wir bei Peter Reichmuth von der Orthotec nachgefragt, welche Hilfsmittel er für den Winter «wärmstens» empfehlen kann. Hier könnt Ihr das Interview anhören:

 

Sein Fazit: Nicht alles ist im Winter möglich – doch mit den richtigen Hilfsmitteln kann man auch als Rollstuhlfahrer die Landschaft draussen geniessen. Einfach ausprobieren!

winter am spz nottwil

So schön der Winter auch ist – für Rollstuhlfahrer sind Schnee, Eis und Glätte ein grosses Hindernis.

Peter kennt die Hilfsmittel als Berater – und als Kunde

Peter Reichmuth ist Leiter des Verkaufsteams der Orthotec. Deshalb kennt er alle möglichen Hilfsmittel für die Mobilität von Menschen mit motorischen Einschränkungen. Doch nicht nur: Er sitzt selbst im Rollstuhl und kennt daher die Bedürfnisse seiner Kunden aus eigener Erfahrung.

1982, im Alter von 15 Jahren, wurde Peter querschnittgelähmt. Er fiel in Saas-Fee mit der Gondel zwölf Meter in die Tiefe. Seither hat er eine komplette Paraplegie auf Höhe Th12.

Zur Orthotec kam Peter über einen Bekannten im Rollstuhl, der dort arbeitete. Peter fand die Idee spannend, mit seinem Fachwissen andere Betroffene über Rollstühle und Hilfsmittel zu beraten. Nun arbeitet Peter schon seit über 12 Jahren bei der Orthotec und ist mittlerweile Mitglied der Geschäftsleitung. Möchtet Ihr mehr über die Orthotec wissen? Hier findet Ihr einen Erfahrungsbericht.

peter reichmuth

Peter Reichmuth, Leiter des Verkaufsteams der Orthotec

Peter und der Schnee

Seit seiner Kindheit hat Peter ein besonderes Verhältnis zum Schnee. Er wuchs oben in der Rigi auf, wohnte neben einem Skilift und war im Winter ständig auf Skiern unterwegs.

Nach dem Unfall fuhr Peter zehn Jahre nicht mehr Ski. Dann überredete ihn sein Bruder, wieder einmal mitzukommen. Doch mit dem gemieteten Skibob fiel Peter auf dem ersten Kilometer ständig hin. Er liess es wieder bleiben.

Ein paar Jahre später wurde Peter Vater. Um mit der Familie Skifahren zu gehen, freundete er sich doch noch mit dem Skibob an. Seit nunmehr 20 Jahren geht Peter jeden Winter für ein paar Tage auf die Piste.

Und was ist Peters liebste Jahreszeit? Obwohl er mittlerweile wieder Ski fährt, sagt er, fühlt er sich im Sommer am wohlsten – bei 30 Grad.

peter mit seiner familie beim skifahren

Peter mit seiner Familie beim Skifahren

Hilfsmittel für Rollstuhlfahrer im Winter

Peters schlechte Nachricht vorweg: Wenn der Neuschnee weich und tief ist, hat man mit dem normalen Rollstuhl keine Chance. Mit den dünnen Reifen und insbesondere den kleinen Rädchen vorne sinkt man schnell ein. Daher, erzählt er, sind in diesen Tagen bei der Orthotec Wheelblades sehr gefragt – das sind kleine Skier, die man unter die Vorderrädchen schnallt. So kann man selbst oder eine Hilfsperson den Rollstuhl normal anschieben und muss ihn nicht kippend fahren.

wheelblades

Wheelblades

Ebenfalls hilfreich sind Mountainbikeräder mit breiteren Reifen: Sie haben eine grössere Auflagefläche, so dass man nicht so leicht im Schnee versinkt wie mit normalen Reifen.

Auch das Rollstuhlzuggerät Swiss-Trac kann bei Neuschnee wenig ausrichten. Doch sobald der Schnee hart oder matschig wird, kommt man damit gut vorwärts. Für eisigen Belag gibt es für den Swiss-Trac auch Reifen mit Spikes. Auch die «Töffli»-artigen Zuggeräte können helfen, wenn sie ein gutes Profil haben.

spikes reifen für den swiss trac

Spikes-Reifen für den Swiss-Trac (Quelle: https://swisstrac.ch)

zuggerät wheel e von pro activ

Zuggerät WHEEL-E von PRO ACTIV (Quelle: https://www.proactiv-gmbh.de)

Apropos Swiss-Trac: Zum leichteren Schneeschaufeln hatte Peter sich beim Orthotec Sonderbau eine Schaufel für den Swiss-Trac besorgt. Da es aber in den letzten Jahren nicht mehr viel Schnee gab, reichte er sie weiter. Dieses Jahr bereute er das ein wenig: Beim jüngsten Schneefall brauchte Peter eineinhalb Stunden, nur um sich den Weg zum Auto «manuell» freizuschaufeln!

swiss trac mit montierter schneeschaufel

Swiss-Trac mit montierter Schneeschaufel

schneeschippen mit an swiss trac montierter schaufel

Schneeschippen mit einer Schaufel, die an den Swiss-Trac montiert ist

Peters Tipps für den Winter

Gewisse Aktivitäten, sagt Peter, sind im Rollstuhl ohne fremde Hilfe kaum zu schaffen. Eine davon: das Auto von Schnee und Eis zu befreien. Die beste Vorsorge sind natürlich eine Garage bzw. Unterstand oder eine Standheizung. Wer nichts davon hat, sollte keine Scheu davor haben, Hilfe anzunehmen. Das Gleiche gilt bei vereisten Wegen, die man normalerweise problemlos selber schafft, oder wenn man nicht alleine zum Parkplatz kommt.

Ein weiteres Beispiel, was für Rollstuhlfahrer nicht möglich ist, ist Schneewandern (auch wenn aktuell an einem Exoskelett geforscht wird, das Schneetouren ermöglichen soll). Wer sich im Winter gerne in der Natur bewegt, dem empfiehlt Peter Langlaufen oder Skibobfahren. Mit dem entsprechenden Hilfsmittel kann man auch im Winter viel machen. Rollstuhlfahrer sollten sich nicht einschränken lassen, sondern es einfach ausprobieren. Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung bietet diverse Kurse an und hier könnt Ihr Wintersportgeräte günstig mieten.

Besonders achten sollte man Peter zufolge auf Nässe und Kälte – insbesondere, wenn man sie nicht spürt. Handschuhe, Fusssäcke und gummierte Greifringe sind hier bewährte Hilfsmittel.

Und schliesslich hat Peter auch einen «Tipp» für Fussgänger: Gerade im Winter sind Rollstuhlfahrer besonders auf Behindertenparkplätze angewiesen. Zum einen sind diese meist vom Schnee befreit; zum anderen liegen sie näher am Geschäft, so dass man nicht im Rollstuhl durch Schnee oder Matsch kämpfen muss. Deshalb gilt im Winter ganz besonders, dass auf solchen Parkplätzen nur Menschen mit Behinderung parken dürfen.

Zum Schluss noch eine weiterführende Zusammenstellung von Hilfsmitteln und Informationen zum Thema «winterfit»: https://www.paraplegie.ch/orthotec/de/winterfit-im-rollstuhl

Welche Hilfsmittel könnt Ihr für den Winter empfehlen? Wir sind gespannt auf Eure Erfahrungen!

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