Für 2021 wünsche ich euch Gelassenheit und Leichtigkeit und möglichst wenig Sonderliches.

Selbst zu den sonderlichen Corona-Zeiten, da solches verboten ist, erinnern wir uns solcher Szenen: Eine Gesellschaft von Menschen ist gemütlich vereint, unter ihnen ein Kleinkind. An ihm ergötzen sich alle, ob es weint, lacht oder Schabernack treibt. Es unterhält alle, beherrscht die Szene, ist im besten Sinne des Wortes der gutartige Sonderling.

Ihm steht der ärgerliche Sonderling gegenüber. Auch er dominiert die Gruppe, heischt ihre Aufmerksamkeit, aber er vermiest die Stimmung, statt sie aufzuhellen.

Ärgerliche und originelle Sonderlinge

Zwischen dem ärgerlichen und dem originellen Sonderling gibt es weitere Ausprägungen: den mühseligen Selbstdarsteller; den strahlenden Charismatiker; den notorischen Besserwisser; den schrulligen Einzelgänger; bis hin zum bedauernswerten Kranken.

Ihnen allen ist gemein, dass sie sich und ihre Befindlichkeit etwas zu wichtig nehmen. Ihre Mitmenschen betrachten sie als ihr Forum. Sie sollen ihnen zuhören, sie bewundern, sie unterstützen, allenfalls bedauern.

Beim herzergreifenden Kleinkind, beim führungsstarken Charismatiker und dem leidenden Kranken nehmen wir das gerne hin, in den anderen Fällen stösst uns die Einseitigkeit der Sonderlinge auf. Sie verlangen zu viel, die Beziehung zu ihnen ist unausgewogen.

kind streckt die zunge heraus

Kindern gönnen wir ihre Show, auch charismatischen Persönlichkeiten.

Die sonderbare Rolle des Rollstuhls

In unseren Rollstühlen sind auch wir in der Rolle des Sonderlings. Der Rollstuhl fällt auf. Ungewollt geraten wir in den Mittelpunkt des Geschehens. Wo wir auf der Skala zwischen angenehm und verdriesslich schliesslich landen, hängt stark davon ab, wie viel Aufmerksamkeit der Rollstuhl einfordert. Er ist ein Störfaktor, im schlimmsten Fall ein Beziehungskiller, vergleichbar mit den Allüren der Sonderlinge.

Im Bewusstsein dessen neigen wir dazu, den Rollstuhl (und auch andere typische Hilfsmittel) herunterzuspielen. So meiden wir Elektrorollstühle, wenn’s irgendwie geht. Nach gängiger Auffassung sind diese Ungetüme denen vorbehalten, die sonst gar nicht mobil wären. Ganz verschwinden lassen können wir den Rollstuhl nie. Wir legen deshalb Wert darauf, dass er einigermassen schick, leichtlaufend und ja nicht zu gross ist.

Opfer können sich lohnen

Um unseren Rollstuhl und damit unsere Behinderung etwas zu kaschieren, verzichten wir unter Umständen auf Annehmlichkeiten. Wir tun das, um unseren Mitmenschen aufzuzeigen, dass wir mehr sind als nur Rollstuhlfahrer und Benützer von einschlägigen Hilfsmitteln. Wir hauchen ihnen und uns selbst ein, unser Leben sei weniger beschwerlich, als es scheinen mag.

Wir senden Leichtigkeit aus, um den Beziehungen zu unseren Mitmenschen gleichermassen Leichtigkeit zu verleihen. Zu beschwerlichen Sonderlingen wollen wir nicht verkommen. Wenn schon, sind wir witzige Sonderlinge!

narr

Wenn schon närrischer Sonderling, dann bitte witzig!

Unsere Mitmenschen belohnen das, indem sie uns unverkrampfter begegnen. Im gelebten Alltag bedeutet das, dass sie uns nicht vorwiegend als Hilfsempfänger wahrnehmen und glauben, mit uns nur über Gebrechen, Sozialleistungen und rollstuhlgängige Architektur reden zu können.

Gelassenheit und Leichtigkeit zu vermitteln, setzt allerdings voraus, dass wir unser Leben gut organisieren und uns die nötige Energie vergönnt ist. Genau das wünsche ich euch allen in hohem Masse im Jahre 2021!

Kommentare (3)

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Hallo lieber Fritz,
zuerst alles liebe und gute fürs Neue Jahr 2021.! Möge dies im wahrsten Sinnes des Wortes weniger Sonderling werden.!

Wow, ich muss Dir sage du hast mal wider ein echt tolles Thema wieder geschrieben, deine Darstellung der...

Hallo lieber Fritz,
zuerst alles liebe und gute fürs Neue Jahr 2021.! Möge dies im wahrsten Sinnes des Wortes weniger Sonderling werden.!

Wow, ich muss Dir sage du hast mal wider ein echt tolles Thema wieder geschrieben, deine Darstellung der Sonderlingen deine vergleichend , sind absolut ein Hut Ab, und verdienen mein Respekt:!
Mensch ich habe ganze haut bekommen, bei den Satz, das wir Rollstuhlfahrer in der tat, weitgehend wie möglich verzichten auf Elektrischer Rollstuhl etc, und in der Tat, zumindest für mich ist es auch so das es mich scheucht sowas zu haben, na gut eins muss man auch sagen, ein Elektrischer Rollstuhl bedarf auch von mehr Platz Zuhause, und vor allem wenn man Mobile ist wie ich, kann man sowas nicht einfach in ein Normales PKW mitnehmen, aber wenn man betrachte was meine Behinderung braucht, dann wäre ich machmal schon froh auf so einen Elektrischen Rollstuhl, doch die gegebene umstände erschweren, wenn gar erlöschen die Möglichkeit eins zu fahren.. Aber lieber Fritz ein Toller Beitrag:! Und auch wenn ich nicht immer antworte oder kommentiere, Lese ich meisten mehr als 90% die tollen und hilfsreichen beitrage hier in der Plattform und Community. Freue mich schon auf weitere. Lieber Gruss Francesco

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Lieber Francesco,
Heissen Dank für dein Echo!
Auch dir ein gutes Jahr 2021.
Ich hoffe, wir sehen uns mal in diesem Jahr.
Beste Grüsse

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Hallo Lieber Fritz, aber nichts zu danke, was gesagt werden muss, muss einfach gesagt sein.!

Ja ich hoffe sehr das wir uns wieder dieses Jahr Treffen können. Und wieder auch ein Ort des Wiedersehen in SPZ ermöglich wird.

Bleib weiterhin...

Hallo Lieber Fritz, aber nichts zu danke, was gesagt werden muss, muss einfach gesagt sein.!

Ja ich hoffe sehr das wir uns wieder dieses Jahr Treffen können. Und wieder auch ein Ort des Wiedersehen in SPZ ermöglich wird.

Bleib weiterhin gesund, bis Bald
Lieber Gruss
Francesco

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