Stephen Hawking wäre im Januar 80 Jahre alt geworden. Trotz ALS hat der Physiker Ausserordentliches geleistet.

Seinem Spitznamen ist er gerecht geworden. «Einstein» nannten ihn die Klassenkameraden, und mindestens genauso neugierig wie der Altmeister ging auch der junge Stephen William Hawking durchs Leben. Sein wacher Geist liess ihn schon im Kindesalter an der Frage herumgrübeln, wo wohl der Ursprung des Weltalls liegt. «Ich wollte stets die Tiefe des Universums ergründen», wird er Jahre später sagen.

Der Weg vom aufgeweckten Bub mit mittelmässigen Schulnoten zum weltweit angesehenen Physiker war allerdings steinig und alles andere als selbstverständlich. Denn der brillante Geist lebte in einem kranken Körper.

Als 21-jähriger Chemie- und Mathematik-Student erhielt der Brite die Diagnose ALS, Amyotrophe Lateralsklerose, eine unheilbare und bei ihm bereits weit fortgeschrittene Nervenkrankheit. Die Ärzte gaben ihm noch 24 Monate zu leben.

Als die Nulllinie kam und nichts passierte, nahm Stephen Hawking jeden weiteren Tag als Geschenk. 1962 machte er seinen Bachelor-Abschluss in Oxford, wechselte dann an die Universität nach Cambridge, wo er mit seiner Promotion über Astronomie (Wissenschaft von den Gestirnen) und Kosmologie (Entwicklung des Universums) begann.

Stephen Hawking, gekleidet mit Hemd und Veston, sitzt im Rollstuhl. Im Hintergrund ist ein Bürotisch mit Computer zu sehen.

Schon in jungen Jahren, hier 1974, sass Stephen Hawking im Rollstuhl.

Sein Wille war stärker als die Krankheit

Die Gewissheit, dass jeder Tag der letzte sein kann, trieb Stephen Hawking an und verlieh ihm eine unglaubliche Schaffenskraft. Verschont vom Zerfall blieb sein Gehirn, und das schien kompensieren zu wollen, was der zunehmend unbewegliche Körper nicht mehr schaffte. Kraft und Inspiration fand er in der Musik von Wagner – und in der Liebe zu seiner Freundin Jane Wilde. Die beiden heirateten und schworen sich, die Krankheit gemeinsam zu bekämpfen.

Stephen Hawking bei der Hochzeit mit seiner ersten Frau Jane Wilde im Jahr 1966

Stephen Hawking und seine Frau Jane Wilde bei der Hochzeit im Jahr 1966.

Sie wurden Eltern von drei Kindern: Robert (1967), Lucy (1970) und Timothy (1979). Die beiden älteren sind bis heute in der Leitung der Stephen Hawking Foundation engagiert, welche die Forschung in den Bereichen Kosmologie, Astrophysik und fundamentale Teilchenphysik auf Schul- wie auch auf Universitätsebene fördert.

«Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir drei wunderschöne und begabte Kinder haben können. Sie sind die besten Errungenschaften meines Lebens – wenn man Kinder als Errungenschaften bezeichnen kann …»

Stephen Hawking in einer Rede für den National Health Service, 2017

Er erklärte Wissenschaft für alle verständlich

Mit Unterstützung der Familie, von Doktoranden und Kollegen ging der Wissenschaftler voll und ganz in seinem akademischen Alltag auf. Über zwanzig Jahre wirkte er als Lucasischer Professor für Mathematik an der Universität Cambridge und gründete das Centre for Theoretical Cosmology.

Sein ganzes Leben lang befasste sich der Physiker mit den grossen Fragen rund um Schwarze Löcher und die Entstehung des Universums. Zu seinen literarischen Arbeiten gehören preisgekrönte, akademische Werke wie auch allgemein verständliche Bücher. «Es ist wichtig, dass Wissenschaftler ihre Arbeit erklären», sagte er einmal. Sein bekanntestes Essay ist wohl «A Brief History of Time», das in über 40 Sprachen übersetzt und mehr als 20 Millionen Mal verkauft wurde.

Zahlreiche Medaillen, Preise und Ehrungen begleiteten seinen beruflichen Weg. Von der Queen persönlich erhielt er 1982 die Auszeichnung Commander of the British Empire, und der damalige US-Präsident Barack Obama verlieh ihm 2009 die Presidential Medal of Freedom. Nur der Nobelpreis blieb ihm verwehrt, weil dafür experimentelle Nachweise verlangt werden. Hawkings Forschung jedoch stützte sich auf Mathematik, Theorien und die Kraft seiner Gedanken.

Barack Obama steht vor Stephen Hawkings Rollstuhl und unterhält sich mit ihm. Rundherum befinden sich weitere Preisträger.

Im Weissen Haus wird Hawking 2009 von US-Präsident Barack Obama empfangen und mit der Presidential Medal of Freedom geehrt.

Die Kommunikation war stets eine Herausforderung

Bei einem Konferenzbesuch in der Nähe von Genf erkrankte Stephen Hawking 1985 an einer Lungenentzündung. Um sein Leben zu retten, machten die Ärzte einen Luftröhrenschnitt. Von da an war ihm das Sprechen nicht mehr möglich. In den ersten Monaten kommunizierte er mit dem Heben seiner Augenbraue, später nutzte er Sprachcomputer – zuerst noch per Taster und den Händen, später über einen Infrarotsensor in seiner Brille.

Auch privat gab es Veränderungen. 1990 verliess der Wissenschaftler seine Frau Jane und zog mit seiner Krankenschwester Elaine Mason zusammen, die er nach der Scheidung 1995 heiratete. Elf Jahre meisterten sie das Leben gemeinsam, waren viel unterwegs für seine Vorträge und Forschungsarbeiten. 2006 zerbrach auch diese Beziehung.

Stephen Hawkings sitzt mit verschränkten Händen im Rollstuhl, vor ihm ist der Sprachcomputer zu sehen.

Stephen Hawking während einer Konferenz im Mai 2006 in Paris.

«Schau hoch in die Sterne und nicht auf deine Füsse. Versuch zu verstehen, was du siehst, und frage dich, warum das Universum existiert. Bleib neugierig. Und wie schwierig das Leben auch erscheinen mag, es gibt immer etwas, das du tun kannst. Wichtig ist, dass du nicht einfach aufgibst. Solange es Leben gibt, gibt es auch Hoffnung.»

Aus einer Audiobotschaft, die Stephen Hawking kurz vor seinem Tod aufnahm

Schwerelos dem Rollstuhl entkommen

Stephen Hawking war überzeugt, dass unsere Erde zu fragil ist – und die Menschheit nur überlebt, wenn sie einen neuen Planeten besiedelt. Es war sein grösster Wunsch, selber ins All zu fliegen. Das gelang ihm nicht. Doch 2007 unternahm er in einer Boeing 727 einen Schwerelosigkeitsflug, erlebte acht Parabeln und befreite sich so für einen Moment von den Fesseln seines Rollstuhls. Das schelmische Lächeln, das er dabei trägt, scheint alle Hürden vergessen zu machen.

Stephen Hawking wird lächelnd von drei Personen in der Luft gedreht, während einem Schwerelosigkeitsflug in einer Boeing 727 im Jahr 2007.

Stephen Hawking geniesst seinen Schwerelosigkeitsflug im Jahr 2007.

24 Monate gaben ihm die Ärzte einst noch zu leben. Da war er 21 Jahre alt. Stephen Hawking starb schliesslich am 14. März 2018, daheim in seinem Haus in Cambridge, mit gut 76 Jahren. Seine Asche befindet sich in der Westminster Abbey in London, zwischen den Ruhestätten von Sir Isaac Newton und Charles Darwin.

Als persönliche Hommage schuf der Komponist Vangelis ein Musikstück mit der Stimme von Stephen Hawking, das von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA am Tag seiner Beisetzung in den Weltraum übertragen wurde. Laut seiner Tochter Lucy ist es eine Botschaft des Friedens und der Hoffnung.

Stephen Hawking träumte davon, selbst einmal ins All zu fliegen. Was ist Euer grösster Wunsch?

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