Alte Therapieformen erweisen sich als hochmodern. Yoga ist ein Beispiel.

«Komplementär» ist die richtige Bezeichnung für die verschiedenen Heilpraktiken, Therapieformen und Lehren, die unser Wohlbefinden verbessern. Das Spektrum reicht von der Akupunktur, der Homöopathie über das Fitnesstraining, die Alexander Technik, die emotionsfokussierte Therapie (EFT) bis hin zum Yoga und der Hypnose, um nur einige Beispiele zu nennen.

Diese Methoden erhalten unsere Gesundheit. Erkranken wir doch oder versehren uns, so helfen sie uns zu genesen. Sie ergänzen und vervollständigen – «komplementieren» – die moderne Schulmedizin, die ja aus alten Heilverfahren hervorgegangen ist. Sie ersetzen sie aber nicht, wie es die Benennung «alternativ» unterstellt.  

Jeweils oben: Die Körperübung im Yoga, «Totenstellung», unten die Stellung nach dem Durchbewegen in der Physiotherapie (Quellen Joseph Renger / eigenes Bild)

Hatha Yoga ist ein wunderbares Beispiel, das die Dimensionen einer Lehre aufzeigt. Es fusst auf leicht lernbaren Körper- und Atemübungen und zielt darauf ab, «Körper und Geist in Einklang zu bringen», umgangssprachlich uns gut zu tun. Wir mit unseren beschränkten Bewegungsmöglichkeiten müssen diese als «Asanas» bezeichneten Übungen natürlich etwas adaptieren – mit einer Ausnahme: Die «Totenstellung» fällt uns Menschen mit Lähmungen besonders leicht. Dagegen kriegen wir den berühmten Lotus-Sitz kaum hin. Das ist auch nicht so wichtig.

«Die Beuge» lässt sich besonders gut mit bewusstem Ein- und Ausatmen kombinieren.

Wichtig ist dagegen, dass wir die Übungen mit unserem Atem bewusst koordinieren. Wir atmen mit geschlossenem Mund und zurückgestülpter Zunge nach dem beruhigenden, langsamen Grundrhythmus 1 – 4 – 2; eine Zeiteinheit zum Einatmen, Atem anhalten und auf vier zählen, zwei Zeiteinheiten zum Ausatmen.

Mehr brauchen wir nicht zu wissen, solange wir uns damit bescheiden, «Unwissende» zu sein. «Wissende» sind dagegen so gut trainiert, dass sie in der Atempause bis auf 64 zählen können, also einen Rhythmus von 8 – 64 – 32 einhalten, und sich so in einen meditativen Zustand führen, der sie mit den Göttern und kosmischen Energien verbindet. Im Yoga ist es jedem selbst überlassen, spirituelle Dimensionen zu erschliessen. Zwingend ist es nicht.

«Der Pflug» dehnt und kräftigt – ob's nun Yoga (oben) oder Physio (unten) sei.

Ich bin unwissend geblieben und habe mir ein Übungsprogramm zusammengestellt, das Elemente des Hatha Yoga mit massvollem Krafttraining und Dehnübungen verbindet. Ich mache das aus Bequemlichkeit meistens im Sitzen, im Liegen durchfluten uns der Atem und seine Energien aber besser. Im Liegen können wir uns auch besser ausstrecken. Wer nicht zu faul ist, behandelt sich mithin am besten sitzend und liegend. Ein klarer Kopf und das Gefühl von wohlig warmer Entspanntheit sind der Lohn.

Die Yoga-Übung «Kobra» ist etwas anstrengend, tut aber auch in der Physio gut.

Als Bonus gibt es noch eine Erkenntnis: Die rund 4000 Jahre alten Asanas entsprechen über weite Strecken dem, was der nach neuestem Stand ausgebildete Physiotherapeut mit uns anstellt. Sie sind aber angenehmer, weil der Atemrhythmus bedingt, dass wir uns langsam und ruhig bewegen. Asanas verlangen auch nicht nach der etwas ungemütlichen Umgebung eines Therapiesaals.

Dass es mit Yoga für uns Rollstuhlfahrer was auf sich hat, belegt auch der Umstand, dass es auf dieser Plattform im Wiki schon länger einen Text darüber gibt – hier der Link: https://community.paraplegie.ch/de/wiki/gesundheit-sexualitaet/yoga-bei-querschnittlaehmung.

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