In Bern geht’s uns am besten, gefolgt von Luzern, schliesslich Basel. Zürich holt mit seinen Cobra-Trams zügig auf.

«Nein, ich helfe Ihnen nicht beim Aussteigen. Diese Haltestelle ist für Rollstuhlfahrer nicht freigegeben», antwortete mir der Buschauffeur an der Haltestelle Bottmingen Schloss. Sie liegt im Herzen von Bottmingen, einer Agglomerationsgemeinde mit rund 7000 Einwohnern. Ich verkehre dort häufig. Das war mir noch nie widerfahren.

Schliesslich half mir ein anderer Fahrgast aus dem Bus, ohne die Klapprampe aufzufalten. Mit geöffneter Klapprampe ist der Ausstieg tatsächlich heikel. Das Perron ist etwas zu schmal.

Basel: Umbauten müssen verhältnismässig sein

Meine Nachforschungen ergaben, dass die Busstation in Bottmingen Rollstuhlfahrern tatsächlich verwehrt ist, die zwanzig Meter daneben liegende Tramstation dagegen nicht. Einer Broschüre der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) lässt sich entnehmen, welche Stationen wie ausgestattet sind. Rund 90 Prozent sind hinreichend gut, ebenerdig indes noch wenige.

Die Basler, und zwar die Städter und die «Landschäftler» müssen sich sputen: Bis Ende 2023 sollte der öffentliche Verkehr mit seinen Haltestellen gemäss Gesetz rollstuhlgängig sein. Kneifen können die zuständigen Behörden nur, wenn sich der Aufwand für Anpassungen als «nicht verhältnismässig» erweist.

Auf Bottmingen Schloss trifft das nicht zu. Noch viel weniger auf die Tramhaltestelle Theater in Basel. Sie gehört mit drei vorbeifahrenden Linien zu den meistbenützten in der Stadt. Trotzdem wird sie erst 2026 umgebaut. Auf seine Art ist auch das nicht verhältnismässig.

Ansonsten brauchen die BVB mit ihrem grünen Rollmaterial und die Baselland Transport (BLT) mit ihren gelben Trams nicht zu erröten: Ihre Combino und Flexity bzw. Tango sind niederflurig. Die verbleibenden älteren Wagen sind so umgebaut, dass ein niederfluriges Abteil, die sogenannte Sänfte, entstanden ist. Bis auf wenige Ausnahmen verfügen sie über eine Klapprampe. Wo nicht, haben E-Rollifahrer (noch) das Nachsehen.

Bern und Luzern: schön für Rollstuhlfahrer

Auf heutigem Stand bleibt Bern für uns Rollstuhlfahrer das Eldorado. Das Zentrum ist flach, die Altstadt hübsch. Sie lädt uns zum Radeln unter den Lauben ein. Alle Geschäfte, auch die Restaurants, sind ebenerdig zugänglich.

Weitere Strecken bestreiten wir mit Bernmobil, dem öffentlichen Transportunternehmen, das auf Folgendes hinweist: «Seit Anfang der Neunzigerjahre beschaffen wir ausschliesslich Niederflurfahrzeuge mit Rollstuhlrampen, die auch Fahrgästen im Elektrorollstuhl den selbständigen Ein- und Ausstieg ermöglichen. Wir setzen heute auf allen Bus- und Tramlinien ausschliesslich rollstuhlgängige Fahrzeuge mit Tiefeinstieg ein.» Geschätzte 90 Prozent der Haltestellen eignen sich für uns.

tram am berner bahnhofsplatz

Bernmobil hat ausschliesslich Niederflur-Rollmaterial.

Luzern steht Bern kaum nach: Die Verkehrsbetriebe Luzern (vbl) haben seit 1961 nur noch Autobusse, 154 insgesamt, etwa hälftig umweltfreundliche Trolleybusse und solche mit Verbrennungsmotor. Alle sind, wie zu erfahren ist, «mit der Niederflur-Technik ausgerüstet». Dies gilt, heisst es weiter, «grundsätzlich auch für alle Haltestellen auf dem vbl-Netz». Es sind immerhin 365.

Die Luzerner handeln da lösungsorientiert, bedeutet das, ob Hand- oder Elektrorollstuhl. Bravo! Verführerisch bequem ist auch der Zugang zur Schifflände gleich vor dem Bahnhof.

schifflände luzern

In Luzern fahren nur Busse mit rollstuhlfreundlichem Zutritt. Bequem steigen Rollstuhlfahrer auch in die Schiffe.

Zürich: Knacknüsse sind die Haltestellen

Etwas vertrackter sind die Verhältnisse in Zürich. Teils fahren die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) noch immer mit alten hochflurigen Trams durch die Wirtschaftsmetropole. Selbst Fussgängern mit Gepäck erschweren sie den Einstieg.

Wir Rollstuhlfahrer riskieren, warten zu müssen, bis ein Cobra kommt. Dafür ist diese niederflurige Tramkomposition für uns die mit Abstand geräumigste und funktionalste. Beim Öffnen der Türe klappt sich ein Brettchen zum Perron auf, und wir gleiten bequemer rein und raus als bei jedem anderen Niederflurtram.

Gemäss Positionspapier betreiben die VBZ bis 2024 nur noch tiefliegende Trams und Busse, bei der S-Bahn werden es 94 Prozent sein. Die Glattalbahn, die uns bis zum Flughafen bringt, fährt schon heute nur mit Cobras.

cobra tram in zürich

Das Cobra-Tram in Zürich ist besonders funktional.

rollstuhlfahrer steigt in zürcher cobra tram

Das Brettchen klappt sich selbst auf. Leicht steigen wir ins Cobra-Tram.

Die verschiedenen Verkehrsbetriebe des Kantons Zürich verbessern seit Jahren im Rahmen des normalen Unterhalts ihre Haltestellen. Sind Haltestellen stark frequentiert, tun sie es auch mit vorgezogenen Zusatzmassnah­men.

Dennoch bleiben, so lesen wir, auch nach 2024 «etwa ein Fünftel der S-Bahnhöfe, ein Zehntel der Tramhaltestellen und ein Drittel bis die Hälfte der Bushaltestellen … für Gehbehinderte weiterhin unbenutzbar.» Ein Grund: Busse fahren mitunter entlegene, wenig beanspruchte Haltestellen an – deren Umbau als nicht verhältnismässig gilt.

Den Stand der Umsetzung des BehiG bei der SBB habe ich vor kurzem in diesem Beitrag beleuchtet.

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