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In einer Woche: Basler Fasnacht

72 heitere Stunden nach traditionellen Regeln

Der "Plätzli-Bajass" ist das traditionelle Kostüm. Die "Larve" muss das Gesicht bedecken.

Mein Patenonkel war ein Basler vom Scheitel bis zur Sohle. 1649 habe seine Familie das städtische Bürgerrecht erhalten, liess er sich gerne zitieren. Seither seien sie immer unter sich geblieben und doch gut geraten. Zur Schule des Lebens gehörte nach seiner Auffassung auch die Fasnacht: Sie beginnt mit dem «Morgestraich» am elften Tag nach dem «schmutzigen Donnerstag» und vier Tage nach dem Aschermittwoch – immer am Montag, pünktlich um vier Uhr morgens.

Je älter er werde, desto leichter falle ihm der frühe «Morgestraich». «Senile Bettflucht», sei das, sagt mein Pate mit verhaltenem Lächeln und zeigt sich im traditionellen Kostüm, dem «Plätzli-Bajass», und der maskierenden «Larve» auf dem Kopf. «In Basel malen wir nicht einfach dumm auf das Gesicht wie anderswo», schnödet er und verabschiedet sich.

Pünktlich um vier Uhr startet sie, seine Clique, mit ihren 15 Trommlern, 20 Pfeifern und weiteren rund 20 «Platzmachern», die den Vortrab bilden. Die erste Pause legen sie im cliqueneigenen Kellerlokal mitten in der Stadt ein. Es gibt wie immer Mehlsuppe, Zwiebelwähe und Weisswein. Den Weissen braucht’s «für den Ansatz»: Mit Wasser oder Kaffee im Mund kann niemand pfeifen. So ist’s nun mal. Alle duzen sich – aber nur während den drei Fasnachtstagen. So gehört es sich.

Das "Piccolo" klingt schrill, aber fasnächtlich schön.

Mein Patenonkel schätzte es, dass auch an der Fasnacht alles seinen, seit jeher vorgegebenen Lauf nahm. Auf den Putz zu hauen, bedeutete für ihn nicht, aus der Bahn zu fallen. Dennoch fand seine strenge Frau, diese Fasnacht sei doch Jahr für Jahr dasselbe Geblödel, und flüchtete schon eine Woche zuvor in die Berge. So zog er sich eine Fasnachtsfreundin zu. Mit ihr verbrachte er stets den ruhigeren, aber stimmungsgeladenen Fasnachtsdienstag. Zusammen schwelgten sie in der Anmut von Frau Fasnacht. Gemeinsam sorgten sie sich wehmütig, dass an den schönsten drei Tagen des Jahres bald nur noch Züricher und Bodenseefranzosen anzutreffen seien, wenn das alles so weitergehe wie in jüngster Zeit.   

Trommeln ist anspruchsvoll und recht anstrengend.

Als er 80 wurde, willigte er, der stramme Trommler, ein, fortan als gemeiner Platzmacher mitzuwirken. Das war ihm zwar eine Herablassung, aber immerhin weniger anstrengend. Zu seinem 90. Geburtstag lud er sie alle zu einem Schmaus mit viel Weissem ein. Er war noch hell und wach, aber leicht verlangsamt und nach seinen eigenen Worten «etwas übelhörig». Um dies zu überspielen, hatte er sich angewöhnt, immer wieder zu einzuflechten: «Das ist halt so.» Einer der geladenen Fastnachtskumpels meinte dazu, es sei doch erstaunlich, wie oft dieser einfältige, im Grunde etwas feige Rückschluss zum jeweils Gesagten passe. Er hatte recht: Es ist halt so, diese resignative Feststellung trifft vielfach den Kern.

Es ist halt so, wie es ist. Meistens ist das bei weitem gut genug, fand mein Patenonkel. Erst recht an der Fasnacht.  - Ist unser Dasein als «Mensch mit Behinderung» auch gut genug? Mein Pate hätte liebenswürdig genickt und gesagt: «Es ist halt so.»     

72 Stunden Basler Fasnacht

Montag, 19. Februar 2018:

  • 4 Uhr morgens Morgestraich
  • Ab 13.30 Cortège, der grosse Fasnachtsumzug
  • Abends «Gässle» - fasnächtliches Treiben in der ganzen Innerstadt

Dienstag, 20. Februar 2018:

  • Ab 13.30 Kinderfasnacht
  • Ab 20 Uhr reserviert für Guggenmusiken, «Gugge-Konzert» auf dem Marktplatz

Mittwoch, 21. Februar:

  • Ab 13.30 Cortège, der grosse Fasnachtsumzug
  • Abends «Gässle» - fasnächtliches Treiben in der ganzen Innerstadt bis Donnerstagmorgen 4 Uhr

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