Hallo in die Runde,
ich habe länger nicht mehr hier geschrieben, aber dachte, vielleicht frage ich doch mal wieder, ob ich euren Erfahrungsschatz hier nutzen darf und ihr mir mit Rat helfen könnt.
Bei mir steht die Überlegung an, ob mir ein Rollstuhl helfen und mehr Teilhabe ermöglichen könnte. Die konkrete Gestaltung ist nicht so einfach, da ich zwar Paresen statt Plegie und somit überall noch Restkraft habe, aber aufgrund Gelenksinstabilitäten (auch im Bereich der Wirbelsäule) sehr empfindlich hinsichtlich Erschütterung und Sitzposition sowie Belastung der Arme bin. Leider wird meine Rumpfstabilität auch immer schlechter.
Meine Frage ist: Was für Tipps könnt ihr mir für die Entscheidung für einen ersten Rollstuhl mitgeben? Was sollte ich wissen? Was sind Funktionen/Modelle/Hersteller/Setups, die sich für euch bewährt oder nicht bewährt haben? Worauf sollte ich achten?
Besonders interessieren mich eure Erfahrungen mit leichten Rollstühlen mit Zusatzantrieb, und dabei auch die Frage, wie mit einem solchen Setup eine gute Unterstützung für die Rumpfstabilität erreicht werden kann.
Danke und viele Grüße,
odyssita
Liebe odyssita
Ich habe deine Frage an unsere Techniker bei der Orthotec weitergeleitet. Sie haben Folgendes geschrieben:
"Das ist schwierig, da es immer individuell ist. Sicherlich zu beachten ist:
- einen qualitativ guten Rollstuhl zu nehmen (normalerweise ab 1500.- CHF)
- mit dem Anbieter schauen, ob es ggf. über eine Versicherung abgerechnet werden kann
- gutes Ausmessen der Sitzbreite/Tiefe und Sitzhöhe (nicht zu eng oder zu breit)
- gute Räder – wir empfehlen gepumpte Pneu (besserer Rollwiderstand), nicht Vollgummi
- Testen des Rollstuhles/Modells vorab, wenn möglich.
Der Rest ist immer sehr individuell."
Das sind recht allgemeine Hinweise, für konkretere Tipps wäre gemäss Orthotec eine persönliche Beratung unabdinglich.
Ich hoffe, das hilft dir trotzdem etwas weiter. Vielleicht kommen auch noch Tipps aus der Community.
Liebe Grüsse
Johannes
Hallo liebe Odyssita
wollte eigentlich fast das gleiche wie soeben Johannes schreiben, in der Tat ist es eifach schwierig, denn es bedarf tatsächlich auf Fach spezialisierte, jeder Kleinigkeit könnte zu Komplikationen führen, wie auch Druck stellen etc,
soweit ich weiss lebst du in Deutschland, also hat es sicher gute Sanität Häuser, würde sie mal abklappern, und denke wäre ja kein Problem vom Arzt ein Attest machen lassen, bei euch übernimmt ja die Kranken Versicherung oder ?
wenn du etwas bestimmtes wissen willst macht dir kein Zwang und schreib uns
alles Gute
liebe Grüsse
franz
Vielen Dank euch beiden für eure Antworten!
Genau, ich habe eine Beratung vor Ort, insofern ist das schon abgedeckt, und ich fühle mich da auch in guten Händen. Darüber hinaus sind konkrete Tipps und Erfahrungsberichte (grade zur Frage, welche Möglichkeiten es zur Rumpfstabilisierung gibt, wie sich die unterschiedlichen Federungsoptionen auswirken und welche Antriebsoptionen sich für euch bewährt haben oder auch nicht) natürlich viel wert.
Luftgefüllte Geländereifen waren für die Federung angedacht, ggf. auch die Option einer Federung über die Felgen und/oder unter dem Sitz, und auch davon, dass das Kissen ggf. zusätzliche Federung bieten kann hatte ich gehört - aber konkret konnte ich davon noch nichts probieren und kann mir noch nicht so gut vorstellen, wie viel Federung damit möglich ist.
Liebe Grüße,
odyssita
Liebe Odyssita
Eins vorab: Ich spreche aus eigener Erfahrung und gebe dir daher nur einen Ratschlag. Am Ende ist es aber immer wichtig, dass alles von Fachspezialisten für dich zusammengestellt und getestet wird.
Zum Thema Rollstuhl: Ich habe seit Jahren einen Otto Bock Zenit. Dieser ist so stabil wie ein Festrahmen-Rollstuhl, lässt sich aber trotzdem zusammenklappen bzw. falten. Das ist besonders praktisch, wenn du zum Beispiel mit jemandem im Auto reist, da der Rollstuhl dann einfach im Kofferraum verstaut werden kann. Ich bin sehr begeistert davon, hatte nie Probleme und er ist stabil sowie nicht zu schwer.
Zur Beckenstabilisation: Hier sind die Sitzposition und das Sitzkissen entscheidend. Ich habe ein Vicair-Kissen mit Antidekubitus-Schutz. Zusätzlich ist eine Rückenschale wichtig, damit der Rumpf optimal stabilisiert wird.
Zum Thema Hilfsantrieb: Da hast du die Qual der Wahl. Ich kann dir jedoch – wenn ich deine Geschichte richtig in Erinnerung habe und du aus Deutschland bist – den Alber E-Motion m25 DuoDrive empfehlen, den ich selbst seit Jahren nutze. Ich brauche ihn, da ich wenig Kraft im Oberkörper habe. Diese Antriebsräder sind fantastisch und intelligent: Sie unterstützen die vorhandene Restkraft deiner Arme. „DuoDrive“ bedeutet zudem, dass du eine Art Tempomat am Rollstuhl hast und auch elektrisch fahren kannst. Darüber hinaus kannst du alles über eine App steuern und den Rollstuhl sogar per Fernsteuerung zu dir holen oder parken.
Alle oben genannten Hilfsmittel stammen von deutschen Herstellern.
Hier noch die Links zum Anschauen – ich hoffe, ich konnte dir damit helfen.
Lass uns gerne wissen, wie es bei dir weitergeht.
Lieber Gruss
Franz
https://www.alber.de/de-de/produkte/elektroantriebe-fuer-rollstuehle/e-motion
https://www.ottobock.com/de-ch/product/480F160--1---C-61042
https://www.ottobock.com/de-ch/product/476D00-61035
Hallo Franz,
lieben Dank für deine Antwort, deinen Erfahrungsbericht und die Links. Das ist sehr hilfreich für mich!
Stimmt, den Rollstuhl in den Kofferraum zu bekommen, wäre natürlich gut.
Vom Gefühl her würde ich sagen, dass die Rumpfstabilisation bei mir fast noch wichtiger ist als die Beckenstabilisation. Ich vertrage es oft nicht gut, wenn mein Becken in eine bestimmte Position gezwungen wird.
Welche Vorteile hat das Vicair-Kissen denn für dich gegenüber anderen Kissen? Die Rückenschalen sehen interessant aus, danke! Ich vermute, eine feste Rückenschale gibt mehr Halt als eine aus Textil oder Schaumstoff? Wobei das natürlich auch alles wiegt, und ich nur begrenzt heben kann. Alles nicht so einfach...
Mich an den Rädern anzuschieben oder mit der Hand über die Räder zu lenken geht für mich leider nicht; das hatte ich vor Jahren mal getestet. Dazu ist meine Halswirbelsäule zu instabil und die Bewegung/Muskelanspannung verschlechtert meine Symptome. Ich hoffe, dass ich noch verschiedene Antriebe testen kann; mir wurde noch ein Vorspannantrieb vorgestellt und ein Rad, das von hinten schiebt.
Viele Grüße,
odyssita
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