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Blind und im Rollstuhl

  • kitwan

Trotz mehrfacher Behinderung meistert Mark Pollock die Herausforderungen

Heute ist der 3. Internationale Tag der Querschnittlähmung. Aus diesem Anlass wird hier in der Community ein Mann mit Querschnittlähmung porträtiert, der sehr viel für Menschen mit Querschnittlähmung leistet: Mark Pollock.

Dieser Mann hat drei Leben. Er ist blind und Paraplegiker. Hier ist die Geschichte, wie Mark Pollock immer weiterlebt.

Erstes Leben: blind auf einem Auge

Pollock (Erster v. l.) war Mannschaftsführer des Ruderclubs am Dubliner Trinity College.

In Nordirland geboren, verlor Mark Pollock mit fünf Jahren das Sehvermögen auf einem Auge. Das bedeutete, dass er Sportarten mit Körperkontakt wie Rugby oder Hockey nicht nachgehen konnte – Sportarten, die viele Kinder gerne machen. Es hinderte ihn aber nicht daran, andere Sportarten zu betreiben. Schon bald verschrieb er sich dem Ruder- und Segelsport.

Mark studierte später am Dubliner Trinity College, der besten Universität Irlands, wo er eine vielversprechende Karriere im Rudern verfolgte. Sein Leben war ziemlich in Ordnung, bis mit 22 Jahren sein „erstes Leben“ endete.

Zweites Leben: komplett blind

Gegen Ende seiner Collegezeit wurde Marks Sehvermögen immer schlechter, bis er schliesslich ganz erblindete.

Während er sich mühsam an sein neues Leben ohne jegliches Augenlicht anpasste, entwickelte er eine neue Identität für sein „zweites Leben“, und Rudern spielte darin eine grosse Rolle.

Drei Jahre, nachdem er blind geworden war, kehrte Mark zum Rudersport zurück und fand darin sein Selbstbewusstsein wieder. Dieses Selbstvertrauen wuchs weiter und liess ihn an mehreren Ultra-Ausdauerrennen durch Wüsten und Gebirge teilnehmen.

Pollock war der erste blinde Mann, der den Südpol erreichte.

2009, zehn Jahre nach seiner Erblindung, bewältigte Mark eine weitere Herausforderung: den Südpol erreichen. Er und sein Team nahmen am Südpolrennen teil, legten 770 km in über 43 Tagen zurück, und das zum Teil bei minus 50 Grad Celsius. Das Team kam am 22. Tag der Reise am Südpol an. Damit war Mark der erste blinde Mensch, der den Südpol erreichte!

Auf die Frage, wie er es geschafft hatte, eine solch extreme Herausforderung zu bewältigen, antwortete Mark: „Ich habe nur damit weitergemacht, was ich vor meiner Erblindung schon getan habe, nämlich mich an meine Grenzen zu bringen, das ist Sport…“ (Auszug aus dem Spotlight-Interview mit User1st).

Als jemand, der so viel geschafft hatte, hatte Mark zweifellos gelernt, wie man mit Herausforderungen umging, als 2010 sein „drittes Leben“ begann.

Drittes Leben: blind und querschnittgelähmt

 „…manchmal suchen wir uns die Herausforderungen aus und ein andermal suchen sie uns aus.“

Im Juli 2010 sah sich Mark wieder mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Ein Sturz aus einem Fenster im zweiten Stock verletzte sein Rückenmark. Er blieb von der Hüfte abwärts gelähmt.

In den letzten Jahren riet Mark seinem Publikum in zahlreichen Vorträgen:

„…konzentriert Euch auf Entscheidungen, die Ihr kontrollieren könnt, anstatt auf äussere Faktoren, auf die Ihr keinen Einfluss habt.“

„…reagiert auf diese Herausforderungen folgendermassen: Findet Menschen, die bereit sind umzudenken, und Menschen, die vor ehrgeizigen Zielen nicht zurückschrecken.“

Trotz seiner zahlreichen Erfahrungen und Erfolge im Umgang mit Herausforderungen hatte Mark nach seiner Rückenmarksverletzung grosse Zweifel. Doch als jemand, der gerne den Tatsachen ins Auge sieht, schaffte Mark es einmal mehr, seine Herausforderung zu überwinden.

Überzeugt, dass eine Person alleine nicht ausreicht, um die Wissenschaft voranzutreiben, leitet Mark nun den Mark Pollock Trust. Sein Ziel ist es, weltweit Menschen zu suchen und zusammenzubringen, um schneller Möglichkeiten zur Heilung von Querschnittlähmungen zu finden. Innerhalb von fünf Jahren sammelte er bereits genug Geld, um mehrere Meilensteine auf der ganzen Welt zu erreichen. So gelang es ihm zum Beispiel als erstem komplett gelähmten Mann, seine Beine in einem robotischen Exoskelett willentlich zu bewegen. Weitere Informationen über die Stiftung, ihre Aktivitäten und Forschung findet Ihr auf der Webseite des Mark Pollock Trusts.

Zu guter Letzt hier noch ein Vortrag, in der Mark nicht seine mehrfache Behinderung, sondern die vielfältigen Möglichkeiten in seinem Leben mit uns teilt:

Quellen:

Könnt Ihr Euch vorstellen, mit mehrfachen Behinderungen zu leben? Wie geht Ihr mit einer neuen oder extremen Herausforderung um?

[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]

Kommentare (1)

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Liebe Kitwan,
für Deinen eindrücklichen Fotobericht über Marks Schicksal möchte ich Dir herzlich danken. Zuerst hat es mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen ob diesem 3-fachen Schreckensszenario. Ein Mensch wie Mark, der es...
Liebe Kitwan,
für Deinen eindrücklichen Fotobericht über Marks Schicksal möchte ich Dir herzlich danken. Zuerst hat es mir im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache verschlagen ob diesem 3-fachen Schreckensszenario. Ein Mensch wie Mark, der es geschafft hat, nach so vielen Rückschlägen und allergrössten Herausforderungen über sich selbst hinauszuwachsen und seinen Lebenssinn darin zu finden, Geld für die Forschung zu sammeln, ist für mich wirklich ein Held. Er tut dies nicht nur im eigenen Interesse, sondern für alle Querschnittgelähmten. Nur wenige Menschen verfügen über so viel Lebenskraft und Kämpferwillen. Ihm gilt mein allergrösster Respekt, und ich wünsche seiner Stiftung auch weiterhin viel Erfolg.
Mit Blindheit und Lähmung geschlagen zu sein, ist für mich eine der schlimmsten Vorstellungen. Ob ich dann den Kampf ums halbvolle Glas noch gewinnen könnte, ist sehr fraglich!
Liebe Grüsse
cucusita 
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