In ihren Bildern fing die berühmte mexikanische Malerin ihre eigene Leidensgeschichte ein

Ihr Blick ist stets ernsthaft. Und ihr Gesicht fällt sofort auf. Die buschigen Augenbrauen berühren sich über dem Nasenrücken beinahe, dazu der charakteristische Damenschnurrbart.

Frida Kahlo hat in ihrem ganzen, kurzen Leben insgesamt 143 Bilder gemalt – 55 davon zeigen sie selbst. Wobei die Selbstbildnisse von den Schmerzen erzählen, den seelischen und den körperlichen, die sie ein Leben lang begleiten. Ihre Markenzeichen, die Brauen und den Schnurrbart, betont sie auf der Leinwand stärker, als sie in Wirklichkeit waren.

«Ich male mich, weil ich sehr viel Zeit alleine verbringe und weil ich das Motiv bin, das ich am besten kenne.»

Frida Kahlo

Die Künstlerin feierte zu Lebzeiten einige, kleinere Erfolge. Die breite Anerkennung ihres Schaffens entwickelte sich hingegen erst lange nach ihrem Tod. Heute zählen ihre Bilder zum «nationalen Kulturgut» von Mexiko – auf Geheiss der Regierung. Was bedeutet: Keines ihrer Werke, das sich im Land befindet, darf den Besitzer wechseln, ohne dass die nationale Kulturbehörde informiert wird. Auch ausserhalb ihrer Heimat wird Frida Kahlo immer beliebter. So erzielte ihr Gemälde «Diego und ich» vergangenen November auf einer Auktion bei Sotheby’s sagenhafte 33 Millionen Franken.

Frida Kahlo sitzt neben einer Agave auf dem Boden und schaut in die Kamera.

Sie liebte traditionelle Kleidung und Schmuck: Frieda Kahlo posiert 1937 bei einem Shooting des Magazins «Vogue» für Fotografin Toni Frissell. (Quelle: Toni Frissell, Wikimedia Commons)

Wer war diese Frau, die zu den bedeutendsten Künstlerinnen Lateinamerikas zählt? Warum verbrachte sie einen Grossteil ihres Lebens in einem Korsett, malte im Bett, konsumierte Drogen? Ihre Lebensgeschichte ist faszinierend und erschreckend zugleich. Und sie zeigt eindrücklich auf, wie stark und zerbrechlich zugleich Frida Kahlo war.

Kindheit mit Krankheit

Die Tochter einer Mexikanerin und eines deutschen Fotografen kommt am 6. Juli 1907 in Coyoacán zur Welt, einem südlichen Bezirk von Mexiko-Stadt. Magdalena Carmen Frieda, wie ihr Taufname lautet, wächst hier mit drei Schwestern und zwei Halbschwestern auf. Ihre Mutter Matilde ist Analphabetin und kümmert sich vor allem um den Haushalt; von ihr lernen die Mädchen das traditionelle Sticken und Nähen. Vater Carl Wilhelm verbringt wenig Zeit mit seinen Töchtern, erkürt Magdalena Carmen Frieda jedoch zu seinem Liebling, nimmt sie mit in die Natur und lehrt sie das genaue Beobachten und Betrachten von Dingen.

Die Familie lebt in der Casa Azul, im Blauen Haus, das heute das Kahlo-Museum beheimatet. 1910 bricht die mexikanische Revolution aus, das Land ist im Umbruch und das Volk lehnt sich gegen den diktatorischen Langzeitpräsidenten auf – Frida Kahlo beschliesst später, ihr Geburtsjahr von 1907 auf 1910 zu ändern, so dass ihr eigenes Leben gleichzeitig mit dem neuen Mexiko beginnt. Ausserdem streicht sie das «e» aus ihrem dritten Vornamen und nennt sich fortan schlicht «Frida».

Die vier Mädchen Cristina, Matilde, Adriana und Frida Kahlo sind hübsch angezogen, stehen eng beisammen und schauen in die Kamera.

Der Vater fotografiert 1916 die vier Schwestern Cristina, Matilde, Adriana und Frida (von links). (Quelle: Guillermo Kahlo, Wikimedia Commons)

Mit sechs Jahren erkrankt Frida schwer, die Ärzte vermuten eine Kinderlähmung – erst in den 1930er-Jahren diagnostizieren Experten eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule. Das Mädchen verbringt Monate im Bett, die Genesung schreitet nur langsam voran. Als Folge davon bleibt das rechte Bein dünner und kürzer. Trotzdem ist Frida sportlich, liebt das Schwimmen und Radfahren.

Der Tag, der alles verändert

Um sich auf ihr gewünschtes Medizinstudium vorzubereiten, besucht Frida Kahlo ab 1922 die Escuela Nacional Preparatoria in Mexiko-Stadt – sie gehört zu den ersten und wenigen Mädchen, die dort überhaupt zugelassen werden. Dann passiert der Unfall, der sie für den Rest ihres Lebens prägen wird: Am 25. September 1925 sitzt Frida in einem Bus, der mit einer Strassenbahn kollidiert. Dabei durchbohrt eine Haltestange den Rücken und das Becken der jungen Frau; sie erleidet schwerste orthopädische und gynäkologische Verletzungen.

Frida Kahlo liegt auf dem Rücken im Bett. Sie hält einen Spiegel in der Hand und bemalt ihr Korsett.

Liegend im Bett bemalt Frida Kahlo ihr Korsett. Phasenweise musste sie die einschnürende Stütze (er-)tragen. (Quelle: Facebook @fridakahlo)

Was folgt, sind im Laufe der Zeit über dreissig Operationen, eine Odyssee durch Spitäler, für einige Zeit muss sie einen Ganzkörpergips oder ein Stahlkorsett tragen. Während ihrer langen Genesungszeit beginnt Frida mit dem Malen, es entstehen vor allem Selbstbildnisse wie «Autorretrato» (1930), «Very angry» (1932) oder «Selbstbildnis mit Samtkleid» (1926). Mit Drogen und Alkohol versucht sie die Schmerzen erträglicher zu machen, Freundschaften gehen in die Brüche, neue entstehen – und 1928 trifft sie durch eine gemeinsame Freundin auf ihre grosse Liebe: den mexikanischen Maler Diego Rivera.

Die Kunst verbindet die beiden, aber auch ihre politischen Ansichten und ein leidenschaftlicher Patriotismus. Diego ist berühmt für seine grossen politisch-revolutionären Wandbilder und verewigt Frida als Porträt im Werk «Ballade der Revolution», das er zu jener Zeit für das Bildungsministerium in Mexiko-Stadt malt.

Der Elefant und die Taube, so werden die beiden genannt. Er ist stattlich und gross, sie zart und zerbrechlich. Zweimal heiraten die beiden – 1929 und 1940 –, dazwischen liegen unzählige Affären von ihm und ihr, mit Männern und Frauen, längere Aufenthalte in den USA, Eifersucht und Depressionen. Doch am Schluss siegt ihre Anziehung füreinander.

Die zarte Frida Kahlo steht neben dem grossen Diego Rivera.

Diego Rivera ist 20 Jahre älter als Frida Kahlo. Ihre Mutter sieht die beiden als «der Elefant und die Taube». (Quelle: Facebook @fridakahlo)

Im Krankenbett zur Ausstellung

Nicht nur in der Beziehung geht es auf und ab, sondern auch mit der Gesundheit. Dennoch schafft es Frida Kahlo, sich als Künstlerin einen Namen zu machen. Es entstehen Werke, die ihr Leiden zeigen, ihren geschundenen Körper, ihre unzähligen Fehlgeburten, die ständigen Schmerzen. Zu den berühmtesten gehören Bilder wie «Die zwei Fridas» (1939), «Die gebrochene Säule» (1944) oder «Henry Ford Hospital» (1932). Ihre erste Einzelausstellung findet 1938 in der Galerie Julien Levy in New York statt, ein Jahr später sind ihre Werke in Paris zu sehen.

Mit Diego Rivera zieht Frida in ihr Elternhaus in Coyoacán ein, ins Blaue Haus, und gemeinsam lehren sie zehn Jahre an der Kunstschule La Esmeralda. 1951 verleiht ihr das Kultusministerium gar den Nationalpreis für Malerei für ihr Werk «Moses» (1945).

Doch die schönen Erfolge können nicht über Fridas Gesundheitszustand hinwegtäuschen, der sich weiter verschlechtert. Die Aufenthalte in den Krankenhäusern werden immer länger, bald muss sie das Gipskorsett ständig tragen, ein Fuss wird amputiert und der Rollstuhl ist nun ihr Begleiter. Sie malt nur noch liegend und besucht 1953 gar im Krankenbett die Eröffnung ihrer ersten Einzelausstellung in Mexiko.

Frida Kahlos Bild «Die gebrochene Säule» zeigt sie selbst mit einem Riss längs durch den fast nackten Körper, in dem eine mehrfach gebrochene antike Säule zu sehen ist.

Frida Kahlos Bild «Die gebrochene Säule» von 1944. (Quelle: Facebook @fridakahlo)

Frida Kahlo liegt auf dem Rücken im Bett. Vor ihr ist ein Gestell mit einer Leinwand angebracht, auf dem Bauch liegt die Farbpalette.

Im Bett liegend malt Frida Kahlo zahlreiche Bilder. Ihre Schaffenskraft ist trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Schmerzen enorm. (Quelle: https://blog.artsper.com)

Frida Kahlo stirbt am 13. Juli 1954 im Blauen Haus, nur sieben Tage nach ihrem 47. Geburtstag. Offiziell erliegt die Künstlerin einer Lungenembolie, Freunde schliessen jedoch einen Selbstmord durch eine Überdosis an Schlaf- und Schmerzmitteln nicht aus. Ihr Mann Diego verweigert weitere Abklärungen und der Körper seiner Frau wird eingeäschert.

Ihre Werke sind voller Schmerz und Qualen, aber auch voller Schönheit und Poesie. Wer mehr über Frida Kahlo, ihre Bilder und ihr Leben erfahren möchte, findet auf Facebook und Instagram zahlreiche Impressionen. Oder natürlich vor Ort, im Blauen Haus, das die einzigartige Künstlerin und ihre Geschichte weiterleben lässt.

Frida Kahlo sitzt im Rollstuhl, hat die Arme im Schoss verschränkt. Hinter ihr steht ein Mann und ein Bild, auf dem sie sich selbst im Rollstuhl beim Malen des Mannes porträtiert hat.

Ihre letzten Jahre verbringt Frida Kahlo meist sitzend im Rollstuhl oder liegend im Bett. (Quelle: Facebook @fridakahlo)

Frida Kahlos Bild «Ohne Hoffnung» zeigt sie selbst im Bett liegend. Aus ihrem Mund kommt ein roter Strahl, an dessen Ende viele tote Tiere und ein Schädel zu sehen sind.

Frida Kahlos Bild «Ohne Hoffnung» von 1945. (Quelle: Facebook @fridakahlo)

Wie geht ihr mit Schmerzen um, was hilft euch?

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