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Spielplätze für alle

Rollstuhlgerecht und inklusiv für jede Begabung

Vor kurzem haben wir über die absurdesten barrierefreien Anlagen diskutiert.

Nun stellt Euch einmal Kinder mit Behinderungen vor, die auf einem Spielplatz spielen möchten, es aber nicht können – entweder, weil der Spielplatz nicht rollstuhlgerecht ist, oder, weil es auf dem Spielplatz nichts gibt, was sie benutzen können. Ob Kinder wohl über solche Situationen genauso lachend hinwegsehen können wie Erwachsene?

Oder andersherum, wie würdet Ihr Euch als Rollstuhlfahrer fühlen, wenn Ihr Eure Kinder nicht zum Spielplatz bringen oder nicht dort mit ihnen spielen könntet, weil er nicht barrierefrei ist?

Jedes Kind hat ein Recht auf Spielen. (Quelle: rehabmart.com)

Die Bedeutung von Spiel und Spielen im Freien

Spielen macht von Anfang an einen wesentlichen Teil unseres Lebens aus. Es ist für unser körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden derart wichtig, dass das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte es als ein Recht jeden Kindes anerkannt hat.

„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Ruhe und Freizeit an, auf Spiel und altersgemässe aktive Erholung sowie auf freie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben.“

Artikel 31, UN-Kinderrechtskonvention

Ausserdem haben Studien gezeigt, dass Kinder vom Spielen im Freien mehr profitieren können. So wird beispielsweise die Kreativität von Kindern besonders angeregt, weil sie im Freien uneingeschränkter spielen. Es ist auch wahrscheinlicher, dass sie im Freien mit verschiedenen Kindern interagieren und neue Freundschaften knüpfen.

Experten weisen darauf hin, dass wir nicht versuchen sollten, unsere Kinder von allen riskanten Situationen fernzuhalten. Man sollte Kinder dazu ermutigen, im Freien zu spielen, wo sie Momente des Gelingens und des Scheiterns erleben können und dabei lernen, mit unberechenbaren Umgebungen umzugehen.

Inklusion fördern durch Spielplätze

Oft ist es für Kinder mit Behinderungen eine grössere Herausforderung als für andere Kinder, irgendwo draussen spielen zu gehen. Behindertengerechte Spielplätze wären die Lösung.

Barrierefreie Spielplätze können für Kinder körperlich, sozial-emotional, sensorisch, kognitiv und kommunikativ von Vorteil sein. (Quelle: www.playcore.com)

Sie sollten barrierefrei sein, damit Menschen mit Behinderungen sie unabhängig oder mit minimaler Hilfe nutzen können. So ist z. B. zusätzlicher Raum auf dem gesamten Platz die Basis für einen sicheren rollstuhlgängigen Spielplatz. Die Installation von Transferplattformen erlaubt Personen mit einer Mobilitätshilfe, die Spielgeräte selbständig zu erreichen und zu verlassen. Eine Rutschbahn mit abfedernden Landematten ermöglicht es Kindern mit Mobilitätsproblemen, sicher aufzukommen und auf ihren Rollstuhl zu warten.

Behindertengerechte Spielplätze sollten auch Inklusion fördern. Sie sollten Spielgeräte anbieten, wo Kinder jeden Alters und jeder Begabung gemeinsam spielen können und gleiche Chancen auf Wohlbefinden und Entwicklung haben.

Behindertengerechte Spielplätze in der Schweiz

Obwohl das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) bereits 2004 in Kraft getreten ist, sind barrierefreie und inklusive Spielplätze noch ein recht neues Konzept in der Schweiz.

Erst seit 2011 arbeitet Denk an mich – eine Zürcher Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen – mit verschiedenen Organisationen zusammen, um barrierefreie Spielplätze in der gesamten Schweiz zu bauen. Das Projekt heisst Spielplatz für alle.

Bis heute wurden über 40 behindertengerechte Spielplätze errichtet und weitere befinden sich im Bau. Auf der Projektwebseite gibt es eine Karte, auf der die von der Stiftung gebauten behindertengerechten Spielplätze angegeben sind. Ihr könnt Denk an mich auch kontaktieren, um mehr über die Spielplätze zu erfahren.

Hier ein paar der grösseren Spielplätze im Überblick:

1. Rodter Park, Luzern

Den Spielplatz der Rodtegg-Stiftung für Menschen mit körperlicher Behinderung gibt es seit September 2014. Der gesamte Spielplatz ist rollstuhlgerecht und mit inklusiven Spielanlagen ausgestattet, wie z. B. einer Rollstuhlrennstrecke und einem rollstuhlgängigen Karussell. Der Spielplatz ist einfach zu erreichen – mit dem Auto oder ÖV.

2. Spielplatz am See, Erlach

Der 2016 eröffnete Spielplatz ist Teil der öffentlichen Parkanlage mit Campingplatz der Gemeinde Erlach am Bielersee im Kanton Bern. Die Nähe der Spielanlagen zur Natur und zum Wasser bietet für alle Kinder ein grossartiges sensorisches Erlebnis. Parkplätze und Toiletten für Rollstuhlfahrer sind ebenfalls vor Ort vorhanden.

3. Spielplatz Dählhölzli, Bern

Der 30 Jahre alte Spielplatz im Berner Tierpark Dählhölzli wurde komplett renoviert und modernisiert. Neue Anlagen wie Schaukeln, Brunnen und Sandkasten wurden speziell für Menschen mit körperlichen Behinderungen gebaut. Derzeit ist der Spielplatz am besten mit dem Auto erreichbar; die Stadt Bern arbeitet jedoch an der Einrichtung von barrierefreien ÖV-Haltestellen zum Zoo, die 2023 fertiggestellt sein sollen.

4. Spielaue, Tierpark Langen Erlen, Basel

Die im Mai 2018 eröffnete Spielaue ist der erste barrierefreie Spielplatz in Basel. Zusätzlich zu den Wasser- und Sandspielanlagen bietet der Spielplatz Rutschbahnen und andere sensorische Einrichtungen wie den „Ameisenhaufen“, die alle rollstuhlgängig sind. Der Spielplatz befindet sich direkt vor dem Zoo und steht der Öffentlichkeit ganztägig und kostenlos zur Verfügung.

Behindertengerechte Spielplätze in Deutschland

In Deutschland entstand der erste barrierefreie Spielplatz in den späten 80er Jahren in München. In Bayern gibt es die Stiftung Sternstunden, die Projekte und Einrichtungen für Kinder mit Krankheiten, Behinderungen und besonderen Bedürfnissen fördert. Die Stiftung hat zahlreiche Schulen und Einrichtungen beim Bau von barrierefreien und inklusiven Spielplätzen im gesamten Bundesland finanziell unterstützt. Sehen wir uns einmal einen ihrer Spielplätze an, und wie ein barrierefreier Spielplatz idealerweise aussehen sollte.

Zum Schluss findet Ihr auf dieser Webseite Angaben zu über 1000 barrierefreien Spielplätzen in Deutschland. Bei manchen sind sogar Fotos, Bewertungen und Kommentare dabei, damit Ihr wisst, ob sich ein Besuch lohnt oder nicht.

Könnt Ihr weitere rollstuhlgerechte Spielplätze oder Freizeiteinrichtungen im Freien empfehlen? Teilt sie mit uns!

[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]

Kommentare (4)

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Liebe kitwan,
was für ein grossartiger und spannend zu lesender Beitrag. Spielplätze sind manchmal auch ein Abbild unserer Gesellschaft, wie wir mit unseren Kindern umgehen und welchen Raum wir dem "Spielen" und der dadurch entstehenden...
Liebe kitwan,
was für ein grossartiger und spannend zu lesender Beitrag. Spielplätze sind manchmal auch ein Abbild unserer Gesellschaft, wie wir mit unseren Kindern umgehen und welchen Raum wir dem "Spielen" und der dadurch entstehenden Kreativität geben... Dein Verweis auf die UN-Kinderrechtskonvention ist auch interessant und zeigt wie weit wir theoretisch eigentlich wären und wie gross die Lücke zur Re3alität oft ist.
Vielen Dank!
ria
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Ria
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Danke, Kitwan, für diesen aufschlussreichen Beitrag. Mit Genugtuung habe ich erfahren, dass bezüglich Barrierefreiheit auf Spielplätzen einiges in Bewegung gekommen ist. In Ergänzung dazu möchte ich eure Aufmerksamkeit auch auf Kinder lenken, die...
Danke, Kitwan, für diesen aufschlussreichen Beitrag. Mit Genugtuung habe ich erfahren, dass bezüglich Barrierefreiheit auf Spielplätzen einiges in Bewegung gekommen ist. In Ergänzung dazu möchte ich eure Aufmerksamkeit auch auf Kinder lenken, die aufgrund ihres fremdartigen äusseren Erscheinungsbildes besonders auf Akzeptanz oder sogar Inklusion angewiesen sind.
Während 7 Jahren habe ich für den Entlastungsdienst ein körperlich und ästhetisch behindertes Mädchen betreut (Progerie). Seine Familie hat schlimme Erfahrungen, nicht nur auf Spielplätzen, machen müssen, sodass die Kleine immer seltener zum Spielen im Freien mit anderen Kindern gekommen ist. Ich setzte mir zum Ziel, meine eigenen Spielplatzerfahrungen zu machen. Tatsächlich riefen einige Mütter ihre Kinder vom Spielen zurück. Möglicherweise konnten sie selber mit dem ungewohnten Erscheinungsbild des 6-jährigen Mädchens nicht umgehen. Zum Glück waren die meisten Kinder neugierig. Sie kamen ganz natürlich auf mich zu und stellten Fragen, wie z.B.: „Warum ist sie so? Warum braucht sie noch einen Kinderwagen? Bist du ihre Mutter?“ Anfänglich war ich selber unsicher. Meine Antworten gingen immer in dieselbe Richtung: „Sie ist einfach so geboren; sie ist eine ganz lässige und würde gerne mit euch spielen. Ihre Beine sind zu schwach für einen längeren Spaziergang.“ Bald schon durfte ich erleben, wie fremde Kinder mit ihr schaukelten, sie in ein kleines Dreh-Karussel einluden und ihr so ein lustvolles Erlebnis boten. Das war der Anfang einer nicht immer gelungenen Inklusion. Das kleine mutige Kind hat später auch seine Eltern dazu gebracht, sie häufiger auf Spielplätze zu begleiten. Meine Erfahrung:  Es sind eher nichtbehinderte Erwachsene, die Kontaktängste zeigen.
Liebe Grüsse
cucusita
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cucusita
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Liebe Ria, liebe cucusita

Vielen Dank für Eure guten Kommentare! Progerie musste ich erst googeln. Ich finde es grossartig cucusita, wie Du es versucht und sogar geschafft hast, dem Mädchen das Spielen im Freien und mit anderen Kindern zu...
Liebe Ria, liebe cucusita

Vielen Dank für Eure guten Kommentare! Progerie musste ich erst googeln. Ich finde es grossartig cucusita, wie Du es versucht und sogar geschafft hast, dem Mädchen das Spielen im Freien und mit anderen Kindern zu ermöglichen. Es ist traurig, dass sich Eltern so verhalten und ihre Kinder daran hindern, ganz natürlich mit Behinderung in Kontakt zu treten – denn so würden Vorurteile in der Gesellschaft wohl gar nicht erst entstehen.

Liebe Grüsse

Johannes
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Johannes
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Vielen Dank, cucusita!

Dein Kommentar ist sehr wichtig. Sehr oft habe ich negative Erfahrungen im Diskussionsforum gelesen (nicht in der Community aber andere Diskussionsforen auf Facebook usw.). Das macht mir Angst. Deshalb bin ich immer...
Vielen Dank, cucusita!

Dein Kommentar ist sehr wichtig. Sehr oft habe ich negative Erfahrungen im Diskussionsforum gelesen (nicht in der Community aber andere Diskussionsforen auf Facebook usw.). Das macht mir Angst. Deshalb bin ich immer dankbar, dass die Leute die Zeit verbringen, die positiven Erfahrungen im Forum zu schreiben. Wir brauchen Ermutigung nicht nur in den schlimmen Momenten, aber allzeit! Als eine Ausländerin in der Schweiz finde ich das sehr, sehr wichtig, die positiven Geschichten zu hören. Das macht mir weniger Sorgen und weniger isoliert. Ich denke, dass das auch wichtig nicht nur für die Gemeinschaft mit Behinderungen, sondern auch für alle ist.

Lasst die positiven Geschichten kommen! :womanhappy:
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kitwan
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