Was bringt sie Menschen mit Querschnittlähmung?

Menschen mit einer Querschnittlähmung leiden häufig an Spastik und eingeschränkter Beweglichkeit. Kann eine Wassertherapie Fortschritte bringen, die an Land nicht möglich sind?

Übliche Behandlungsmethoden für Kontrakturen und Spastik sind:

  • Physiotherapie
  • Medikamente
  • aktive Bewegung
  • Wärme, Kälte
  • elektrische Stimulation
  • chirurgische Eingriffe (orthopädisch oder neurochirurgisch).

Eine besondere Art von Physiotherapie ist die Wassertherapie. Sie kann helfen, die Spastik zu lindern und die benötigte Medikamentenmenge zu verringern.

Vorteile von Wasser

  • Ist man bis zur Schulter im Wasser, beträgt das Körpergewicht aufgrund des Wasserauftriebs nur noch etwa ein Zehntel. Dadurch werden die Gelenke entlastet. Zudem lassen sich Bewegungen leichter ausführen, die an Land schwierig oder gar nicht mehr möglich sind.
  • Der Wasserdruck wirkt positiv auf Blutkreislauf, Stoffwechsel und Atmung. Er fördert die Rückführung von Blut und Lymphflüssigkeiten in Richtung des Herzens. Die Atmungsorgane werden durch den Wasserwiderstand zusätzlich stimuliert.
  • Das vorbeiströmende Wasser entspannt über die Hautrezeptoren die Muskulatur.
  • Dank des Wasserwiderstands besteht eine verminderte Sturzgefahr. Durch die längere Reaktionszeit lassen sich Gleichgewichtsschwierigkeiten leichter abfangen. Falls man doch das Gleichgewicht verliert, fällt man langsamer.
patient und therapeutin im wasser

Wichtige Information vorab

Es wird empfohlen, die Wassertherapie mit einem Physiotherapeuten durchzuführen, um ein individuelles Programm zu erstellen und um die Sicherheit im Wasser zu gewährleisten. Mit ihm können auch die Möglichkeiten im Falle von Inkontinenz oder offenen Wunden besprochen werden.

Voraussetzung für die folgenden Übungen ist genügend Stabilität, um im Wasser eine aufrechte Position halten zu können. Diese Position kann sitzend oder – falls eine Gehfunktion vorhanden ist – stehend eingenommen werden. Auch ob sich die Übungen genau so durchführen lassen, hängt von Höhe und Schweregrad der Rückenmarksverletzung ab. Es werden bewusst keine Angaben zu Wasserhöhe, Serien und Anzahl der Wiederholungen gemacht, da sich diese je nach Voraussetzungen und Zielen unterscheiden.

Beispiele für aktive Übungen

Rumpfübung

rumpfübung

(Quelle: www.vibss.de)

Ausgangsposition:

  • sitzend auf einer Schaumstoffnudel oder einem Brett
  • Oberkörper ist aufrecht

Endposition:

  • einen oder beide Arme seitlich ausgestreckt
  • versuchen, die aufrechte Position zu halten

Stützübung

stützübung

Ausgangsposition:

  • sitzend oder stehend, Oberkörper aufrecht (evtl. an Beckenrand angelehnt)
  • Schaumstoffhanteln in einer oder beiden Händen neben der Hüfte
  • Ellenbogen gestreckt

Endposition:

  • Hantel nach oben kommen lassen, bis der Ellbogen die Wasseroberfläche berührt, dann Hantel wieder mit Kraft runterdrücken
  • Oberkörper bleibt aufrecht

Rumpfübung mit Armübung kombiniert

rumpfübung mit armübung kombiniert

Ausgangsposition:

  • sitzend oder stehend, Oberkörper aufrecht (evtl. an Beckenrand angelehnt)
  • Schaumstoffhantel in einer oder beiden Händen
  • Arme unter Wasser, Ellenbogen am Körper

Endposition:

  • abwechselnd eine Hantel nach vorne strecken und wieder zurückziehen
  • beim Zurückziehen die Hantel noch fester umgreifen
  • Oberkörper bleibt aufrecht

Rückenschwumm

rückenschwumm

(Quelle: www.sichere-schule.de)

Ausgangsposition:

  • Rückenlage, Therapeut unterstützt den Rücken, evtl. mit Nudel als Hilfsmittel
  • Arme neben der Hüfte

Endposition:

  • Arme in runder Bewegung über den Kopf und zurück neben die Hüfte bringen
  • Hüfte bleibt auf der Wasseroberfläche

schaumstoffhanteln

Schaumstoffhanteln

Was ist noch zu beachten?

Wasser ist nicht jedermanns Sache. Nur wer regelmässig und gerne ins Wasser geht, wird auch langfristig Erfolge erzielen.

Die Wahl eines geeigneten Ortes für die Durchführung der Wassertherapie ist essentiell, insbesondere wenn man auf den Rollstuhl angewiesen ist. Ideal ist ein rollstuhlgängiges Bad, das einen Lift für den Transfer ins Wasser hat. Da aber nur wenige Schwimmbäder rollstuhlgängig sind, muss man eventuell flexibel sein und z. B. auf dem Boden transferieren. Auch sollte vorgängig abgeklärt werden, ob im Schwimmbad ein Duschklappsitz oder -rollstuhl zur Verfügung steht.

Die ideale Wassertemperatur wird unterschiedlich empfunden. Therapiebäder sind normalerweise etwas wärmer, um unerwünschte Reaktionen wie eine Verstärkung der Spastik zu verhindern.

Wassertherapie kann die Mobilität, den Gang und die Spastik verbessern. Die Eigenschaften von Wasser schaffen eine praktische Umgebung für die sichere Ausübung von Fertigkeiten.

Habt Ihr schon Erfahrungen mit Wassertherapie gemacht? Oder könnt Ihr Euch vorstellen, sie mal auszuprobieren?

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