1. tschilly_old Kein Ranking
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  3. Donnerstag, 28. Juli 2016
Hallo,


ich bekam gestern meine erste Botulinumtoxintherapie sowohl in die Beuge- und Streckmuskeln der Arme und der (hoffentlich) einzelnen Finger, sowie in die Oberschenkel für die Beuge- und Streckmuskeln.


Ich habe die Hoffnung, dass sich dadurch die Spastiken reduzieren, die Schmerzen abnehmen und die Physio- und Ergotherapie deutlich einfacher und effektiver gemacht wird.
Selbst nach einem einzigen Tag bemerke ich an der rechten Hand (rechts ist die schlechtere Seite von beiden) eine Verbesserung. Sie ist "leichter" und lässt sich weiter nach unten bewegen.
Allerdings stellt sich mir die Frage, ob das Botulinum auch gegen Kloni wirkt?
Falls ja, wirkt es so wie gegen die Spastiken oder zeigt es sich durch ganz andere Anzeichen?

Vielen Dank
tschilly
fritz.vischer_o Kein Ranking
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Das würde mich auch interessieren, denn diese Kloni sind ausschliesslich störend. Dagegen ist die Spastik zum Teil durchaus nützlich. So sollte sie nach meiner Auffassung auch die Durchblutung begünstigen. Daher meine Folgefrage: Was sind denn die Nebenwirkungen auf den Kreislauf, wenn die spastische Beinmuskulatur mit Botox geschwächt wird?
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 1
tschilly_old Kein Ranking
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Hallo Fritz,


da ich ja nun seit etwas über 2 Wochen das Botulinum in mir habe, kann ich von mir sagen, dass der RR schon niedriger ist, sich aber im Rahmen hält, so dass es mir nicht den Stecker zieht. Er ist bei mir um etwa 20 systolisch gesunken und diastolisch auch etwa um 20 bis 30.
Hätte ich allgemein einen sehr niedrigen RR gehabt, dann hätte es bei mir wohl ein Problem gegeben, so bin ich aber momentan zwischen 70/50 bzw. 80/60 mmHg und kann damit recht gut leben.

Der positive Effekt vom Botulinum ist sichtbar, die Hände sind endlich auf und es kann viel mehr Therapie durchgeführt werden. Die Beine sind bei mir bis jetzt noch unverändert, aber da es ja erst das erste Mal war, kann die Dosis noch angepasst werden.


Da ich nun auch den Arztbrief vorliegen habe, weiß ich, welche Mengen wo gesetzt wurden:

M. flexor dig.profundus: rechts 60MU, links 50MU
M. flexor dig. superficialis: rechts 60MU, links 50MU
M. biceps femoris: rechts 50MU, links 50MU
M. semitendinosus: rechts 50MU, links 50MU
M. semimembranosus: rechts 40MU, links 40MU


Ich bekam Xeomin.


Der Klonus selber ist an den Beinen nicht besser, da dort allgemein keine bis minimale Wirkung eingetreten ist, aber da die eh sehr spastisch sind, hab ich mir da auch nicht sofortige Wirkung erhofft und ich bekam auch gesagt, dass wir da wahrscheinlich mehr nehmen müssen, es aber zu Anfang mit einer mittelhohen Dosis probieren, da er -falls eine Wirkung eingesetzt hätte- mich nicht gleich komplett "schlaff" werden lassen wollte. Der Klonus an den Armen und Händen ist besser, da ist die Wirkung aber auch deutlich, für mich schon etwas zu deutlich, da werde ich um eine Reduzierung bitten.


LG
tschilly
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 2
fritz.vischer_o Kein Ranking
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Lieber Tschilly,
Danke für deine interessanten Informationen.
Bei all diesen regulierenden Massnahmen - ob medikamentös, chirurgisch oder therapeutisch - liegt der Teufel in der Feindosierung. Sie beherrscht niemand. Bei dir scheint aber der Handlungs- und Leidensdruck so gross zu sein, dass du das in Kauf nimmst. Koste es, was es wolle, du musst diese Spastizität irgendwie vermindern. Mein Blutdruck liegt normalerweise etwa dort, wo deiner jetzt steht. Ich bin deswegen durchaus froh, dass er mit der Blasenentleerung dank des einschlägigen Guttmann-Reflex in die Höhe getrieben wird. Lies dazu auch meinen jüngsten Beitrag in Leben & Kultur. Deine Erfahrungen bestärken mich in meiner Zurückhaltung gegenüber Botox und anderen spastizitätsreduzierenden Ansätzen. Bis bald!
  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 3
Dr._Hans_old Kein Ranking
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Aus ärztlicher Sicht einige Statements zur Diskussion:
Die Wirkung des Botulinumtoxins erfolgt am neuromuskulären Übergang, also dort, wo die Nervensignale auf die Muskelfasern übertragen werden. Die Übertragung geschieht durch Ausschüttung von Acetylcholin (Neurotransmitter) aus den motorischen Endplatten der Nervenzellen (alpha-Motoneurone).
Durch Botulinumtoxin wird diese Ausschüttung verhindert und die Muskelfasern können nicht mehr erregt werden. Erst wenn nach Wochen und Monaten durch die Nervenzellen neue motorische Endplatten gebildet werden, kommt es wieder zur Muskelkontraktion. Die Wirkung nach einer Botox Injektion dauert meist ca. 3 Monate.
Die Wirkung tritt nicht sofort nach der Injektion ein, es kann manchmal mehrere Tage dauern, bis eine Wirkung sichtbar und fühlbar wird. Der Effekt wirkt sowohl gegen tonische und klonische Spastik und reduziert aber auch die Muskelkraft bei willkürlichen Bewegungen.
Bei korrekter Applikation sollte die Wirkung eigentlich nur den Muskel betreffen, in welchen Botulinumtoxin injiziert wurde. Eine systemische Wirkung (Lähmung anderer Organe) sollte nicht eintreten (sofern die Substanz nicht in den Blutkreislauf gekommen ist).
Wenn der Blutdruck sinkt, ist das wahrscheinlich vorwiegend ein indirekter Effekt, z. B. durch die Entspannung der Beinmuskeln, ähnlich wie wenn die Stützstrümpfe ausgezogen werden oder bei den Kampfpiloten der Druck im Druckanzug abgelassen wird.
Fritz bemerkt richtig, dass der Teufel in der Bestimmung der Dosis liegt und ebenfalls in der Wahl der geeigneten Muskeln. Dazu muss man den Patienten vor sich haben, damit zusammen eine erfolgreiche Auswahl getroffen werden kann. Man ist in der Höchstdosis der Substanz pro Behandlung beschränkt.
Ich freue mich aber, das Tschilly einen positive Effekt an seiner rechten Hand verspürt und bin sicher, dass auch das rechte Bein positiv beeinflusst werden kann.
Dr._Hans, 25.8.2016
  1. vor über einem Monat
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