1. Eve Frischling
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  3. Samstag, 08. August 2020

Hallo,

mein Bruder liegt nach einem Unfall seit dem 02.08. auf der Intensivstation im Krankenhaus. Er hat Frakturen im Bereich c5/c6. Jetzt sgte er mir heute, er könne spüren, wenn ich seine Beine und Arme berühre. Ist das ei  gutes Zeichen , oder ist das mitunter normal bei Tetraplegikern?

Lg Eve

Salieri Angesehener Autor
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Hallo,

nach meiner Einschätzung ist das erstmal ein sehr gutes Zeichen, je nachdem, was man erwartet.

Ich denke mal, dass Ihr dieses u.a. mit einer weitgehenden Erholung des Rückenmarks verknüpft und damit sicher darauf hofft, dass wichtige Funktionen wieder zurückkommen.

Mir ging es vor  10 Jahren genauso. Ich hattte eine Rückenmarksverletzung auf TH 6 und war bis zum Bauchnabel inkomplett gelähmt. Ich hatte Glück, nach ca. 3 Wochen konnte ich das linke Bein etwas bewegen, ca. 4 Wochen später auch das rechte, und vier Wochen später konnte ich an Unterarmstützen wieder etwas laufen. Ich kann mit beiden Beinen in eiskaltes Wasser hineingehen, ohne die Kälte zu spüren. Trete ich jedoch mit nackten Füßen auf einen spitzen Stein, spüre ich das überdeutlich und kriege davon eine tierische Spastik, sodass ich erst nach eine Weile weiterlaufen kann.

Um auf Eure Frage zu kommen:

Sensorisch passierte bei mir eigentlich erst etwas, als ich schon die Beine etwas bewegen konnte. Ich habe aber auch nicht so sehr darauf geachtet und nur noch die Erinnerung, dass ich mir sogar ins linke Bein stark hineinkneifen konnte, ohne etwas zu "merken", obwohl sich dieses Beinchen bis heute motorisch und kräftemäßig fast doppelt so gut entwickelt hat wie das rechte, aber sensorisch fast kaum "etwas merkt".

Das muss aber nicht unbedingt bei allen Patienten so sein!

Ein anderer Leidensgenosse von mir hatte starke Missempfinungen in beiden Beinen bis hin zu Schmerzen, aber kam zeitlich danach ebenfalls auf die Beine.

Ein dritter Patient, den ich im Querschnittszentrum noch vor meiner Entlassung kennenlernte, freute sich riesig über erste Anzeichen von Sensorik, machte aber motorisch kaum Fortschritte in der Zeit, in der ich noch in der Klinik war.

Generell zeigen jedenfalls erste sensorische Fortschritte, dass sich das RM erholt; wieweit das geht, ist offen und bei jedem Patienten unterschiedlich.

Alles Gute wünscht

Salieri

 

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 1
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Hallo Liebe Eve, 

Zuerst, möchte ich Dir auch sagen Herzlich Willkommen.! 

Und anschließend, tut mir leid, das ich erst jetzt antworte irgendwie habe es verpasst, aber bin super froh das Salieri, dich geschrieben hat, und schlisse mir auch der Meinung an.! 

Sag mal wie geht's jetzt dein Bruder ? Wäre schön Neuigkeiten zu lesen. 

Lieber Gruss 

Francesco 

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 2
Johannes
Community-Manager
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Hallo Eve,

auch von mir herzlich willkommen auf der Community! Entschuldige, dass Du erst jetzt von mir hörst, aber Du hast ja bereits ein paar Antworten bekommen, auch in dem anderen Thread. Ich persönlich denke auch, dass Salieri bereits viele gute Hinweise gegeben hat, allerdings bin ich kein Arzt. Selbstverständlich wird Dir unsere Dr. Online auch noch antworten, allerdings bitte ich Dich noch um etwas Geduld, weil sie aktuell im Urlaub ist. Sie meldet sich baldmöglichst nach ihrer Rückkehr.

Liebe Grüsse

Johannes

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 3
ANKS
Dr. Online
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Liebe Eve

Herzlichen Dank für Deine Anfrage.

Jede neurologische Erholung und Berührung wieder spüren, auch wenn es von der Qualität etwas verändert ist, ist ein gutes Zeichen. Mehr als die Hälfte aller Querschnittlähmungen sind inzwischen inkomplett. D.h. dass einige der neurologischen Funktionen zurückkommen und dementsprechend die nächste Zeit der Rückenmakrserholung eventuell eben auch mit einer Erholung von neurologischen Funktionen verbunden ist.

Die ersten Tage und Woche nach Eintritt der Querschnittlähmung sind davon gekennzeichnet, dass der Betroffene selber und die Angehörigen sich auf das Abenteuer einlassen, den Körper neu zu entdecken und zu beobachten. Gut ist es immer, wenn sich neurologische Funktionen verbessern. Durch das regelmässige Beobachten könnten dann auch Verschlechterungen auffallen, die für die Ärzte genauso wichtig sind. Damit können sie eine gute Therapie durchführen.

Wenn Du gerne Beobachtungen aufschreibst, könntest Du auch Tagebuch führen. Dann habt Ihr alle Beobachtungen gesammelt, falls Ihr die Zeit fest halten möchtet. Da ist es natürlich wichtig, auch die vielen positiven Begebenheiten aufzuschreiben.

Falls es noch andere Fragen hat, immer gerne

ANKS

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 4
Eve Frischling
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Hallo,

vielen Dank für all Eure Antworten. Ihr seid mir eine große Hilfe. Und auch der Rest meiner Familie profitiert von Euren Ratschlägen.

Meinem Bruder geht es unverändert. Zwischenzeitlich hat ihn leider eine Lungenentzündung zurückgeworfen. Er brauchte wieder vermehrt Unterstützung bei der Atmung und kann dadurch auch seid ca. einer Woche nicht sprechen. Das setzt ihm psychisch grad enorm zu. Aber er ist auf dem Weg der Besserung und wird jetzt schon kurze Intervalle von der Unterstützung genommen. Er wird zudem täglich bis zu vier Stunden in den Stuhl gesetzt, was sein Kreislauf super mitmacht. Das Schlucken geht noch gar nicht. Der Punkt frustriert ihn auch sehr. Er sehnt sich so danach zu trinken. Alternativ bringen wir ihm täglich leckere Getränke und Wassereis zum spülen und lutschen. 

Vorgestern hat er zum ersten Mal einen richtigen Durchhänger gehabt und gesagt er wolle nicht mehr. Ich denke so Tage werden noch öfter kommen. Umso mehr hoffe ich, dass er bald wieder etwas sprechen kann und, dass in das wieder etwas positiver stimmt.

Achja, da das auch eine Eurer Fragen war, wir sind in Deutschland und mein Bruder liegt zur Zeit in Bochum im Bergmannsheil-Klinikum.

Lg Eve

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 5
ANKS
Dr. Online
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Liebe Eve

herzlichen Dank für Deine Erzählungen.

Lungenentzündungen gehören tatsächlich bei mehr als der Hälfte aller Menschen mit einer Tetraplegie kurz nach dem Unfall dazu. Die Atmung ist am Anfang eingeschränkt und das Immunsystem muss sich auch erst an die neue Situation gewöhnen. Gute Atemunterstützung und dann auch wieder Atemtherapie und Training verbessern die Lungenfunktion kontinuierlich.

Es ist auch häufig, dass Menschen in dieser frühen Phase wie keine Kraft mehr haben und sich noch gar nicht vorstellen können, dass sich die neurologische Situation verbessern kann und sie ganz viele Dinge wieder lernen werden. Das Leben hat sich wirklich verändert und es braucht zahlreiche Anpassungen.

In Bochum gibt es eines der etablierten Querschnittzentren und wir arbeiten alle in der DMGP der Deutschsprachigen GEsellschaft für Paraplegiologie in verschiedenen Projekten zusammen.

Dir und Euch also weiterhin viel Kraft und Zuversicht, bei Fragen immer gerne

ANKS

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 6
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Hallo Liebe Eve, 

Nichts zu Danken, für genau das wurde auch diese wunderbare Community gebaut, und auch wenn es sein mag das es Virtuell scheint, sind wir doch wie eine Familie, um füreinenader und miteinander da zu sein,  gemeinsam probleme, Gedanken, Trost, Lachen, Recherchen, austauschen etc etc zu erleben.! 

Es tut mir Herzlich leid, zu Lesen das dein Bruder sich so geäußert hat, aber du hat es erkannt, solche Dunklen Wolken schweben nun mal ab und zu, glaube ich jeder von Uns, Und ja auch wenn die Situation scheisse, vergisst Nie das des Leben schön ist, und dank der Technik und die Moderen Welt die wir Glück haben zu Leben, ist durchaus ein Leben mit Para oder Tetra, geniessbar. Klar Schön reden will und tue ich es nicht.! Aber Glaub mir tag Täglich mit Geduld und Zeit wird dein Bruder eines Tages darüber nur den Kopf Schütteln und Sich sagen, krass zum glück habe ich es nicht durchgezogen.! Denn bei jeden Gewitter ist immer Wieder die Sonne die Scheint.! Bitte überbringen Im eine Herzliche Umarmung.! Und lass im Wissen Er sei nicht alleine. Und vor allem Tröstet es zu Wissen das Ihr eine gute Familie seid sowohl eine Engagierte Schwester, das füreinander da ist.! 

Es ist nicht das Ende...... Es ist ein Neu Beginn.!! 

 

Ich Möchte Euch und Natürlich An Alle die es lesen folgendes Gedanke Teilen.... : 

 

 

Wir sind alle auf der gleichen Reise, aber jeder geht seine eigenen Wege. Jeder durchlebt sein eigenes Abenteuer und begegnet diversen Herausforderungen. Die Entscheidungen die wir dabei treffen, formen unseren Weg und stellen uns auf die Probe. Dabei müssen wir lernen unsere Grenzen zu setzen. Dieses Abenteuer macht uns stärker als wir es für möglich gehalten hätten. Wir können dankbar sein für jede Erfahrung und für jede Chance die wir bekommen. 

Wir sollten das Beste davon mitnehmen und dem Beispiel folgen um daran zu wachsen. Auf unserem Weg begegnen uns viele Menschen. Menschen die für eine kurze Zeit bestimmt sind und Menschen die ewig bleiben. Jeder der in unsere Leben tritt ist Teil unserer Reise und sind entweder eine Art Test, Strafe oder ein Geschenk. Wir müssen akzeptieren, dass diese Menschen Teil unserer Wege sind. Es gibt Dinge, von denen wir nicht wollen, dass sie geschehen, die wir aber akzeptieren müssen. Dinge die wir nicht wissen wollen, aber lernen müssen. Und Menschen, ohne die wir nicht leben können, aber gehen lassen müssen.

 

Lieber Gruss Francesco 

  1. vor über einem Monat
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