1. Fleur Interessiertes Mitglied
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  3. Montag, 02. November 2020

Hallo,

mein Freund ist seit früher Kindheit Paraplegiker (inkomplett). Vor Kurzem erzählte er mir von dem Untersuchungsverfahren Zystometrie, das er als Kind ungefähr bis ins Teenageralter regelmäßig über sich ergehen lassen musste. Er berichtete, dass ihm bis heute diese Untersuchungen aufgrund ihrer Schmerzhaftigkeit und der willkürlich anmutenden Methoden Albträume bereiten. Unter anderem wurde die Blase mit Eiswasser befüllt. Auch der verwendete Katheter ist extrem dünn und schmerzhaft. Bei meiner Internetrecherche konnte ich nicht genau herausfinden, was diese Untersuchung bei Kindern mit Paraplegie genau bezweckt. Auch würde ich gern wissen, ob es noch heute Usus ist, sie durchzuführen. Und last but not least: Wie geht man mit solchen traumatischen Erinnerungen um? Wie kann ich meinen Freund unterstützen?

Herzlichen Dank im Voraus und viele Grüße!

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Hallo liebe fleur ( nehme an das du W Geschlecht bist wegen der pseudo Fleur das soviel heisst wie Blume.. ) 

Zuerst herzlich Willkommen, toll das du uns hier gefunden hast.! Ich bin kein Arzt nur mitlied, diese wunderbare Community, also da du die frage am richtiger Ort gestlelt hast, werde sicher der Doktor Online dir sobald es geht eine antwort geben, habe dennoch geduld, da es im moment Zeiten sind die vor allem Ärzte und Pflegern ( im diesem fall) viel um die Ohne haben. 

Es ist schön das du für dein freund Hilfst, denn soweit ich verstanden habe, Leidet er sher darüber.! Und Stichwort Leid...! Dies sollte kein Mensch oder besser kein Lebewesen erfahren.! Daher nehme ich stark an das in eine Zivilisierte Welt die wir leben vor allem EU , das Recht auf faire Behandlung und das recht auf antworten wie Nebenwirkungen etc haben. Und wenn dein Freund, es nicht machen will, oder besser eine alternative bestehend, dann hat er das Recht dazu. Mehr lass ich aber Doktor Online, darüber schreiben , und bin gespannt was es dazu als Fachperson sagen kann. 

Auf jeden fall Wünsche ich euch 2, nur das beste, und natürlich das dein Freund sein beste möglich Behandlung /Untersuchung erhalten kann, ohne Leid.! 

Lieber Gruss Francesco 

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 1
Fleur Interessiertes Mitglied
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Lieber Francesco,

danke für deine freundliche und bestärkende Antwort.

Zur Erklärung: Diese Untersuchungen fanden nur in der Kindheit meines Freundes statt und die letzte ist wohl über 15 Jahre her. Sie waren für ihn als Kind offenbar sehr leidvoll und haben Spuren hinterlassen - daher träumt er noch heute davon. Mein Gefühl ist, dass es dabei nicht nur um den physischen Schmerz geht, sondern auch um emotionale Erniedrigungen. Und die Tatsache, dass weder ihm noch seiner Mutter richtig vermittelt wurde, worum es bei diesen Untersuchungen ging, trug sicher wesentlich dazu bei, dass er sie als so schlimm empfand. Ich könnte mir vorstellen, wenn er die Information hätte, welche Ziele die Zystometrien hatten, könnte er auch besser mit seinen Erinnerungen abschließen.

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 2
Dr. JEAN
Dr. Online
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Liebe Fleur,

Cystomanometrien machen wir regelmässig, oft in jährlichen Abständen, bei Querschnittgelähmten. Dabei wird ein dünner Katheter in die Blase eingeführt, der den Blasendruck beim Befüllen misst. Er enthält auch Elektroden, die die Aktivität der Blasenschliessmuskeln misst. Damit kann man feststellen, bei welchem Blasenvolumen der Druck ansteigt. Wird der Druck zu gross, wird sich die Blase entleeren, das ist bei uns allen so, auch bei Fussgängern. Bei der Entleerung kann dann gemessen werden, wie schnell der Urin abfliesst, das heisst wie gross der Widerstand der Harnröhre und des Schliessmuskels ist. Damit gewinnt man einen kompletten Überblick über die Blasenfunktion.

Die Blase besteht aus dem Detrusormuskel, der die Blase "ausquetscht", und den beiden Schliessmuskeln, Sphincter genannt. Der äussere Schliessmuskel kann man willkürlich betätigen, zum Beispiel wenn man das Urinieren aus irgend einem Grund unterbrechen muss. Der Innere Schliessmuskel und der Detrusormuskel sind vom autonomen Nervensystem innerviert und funktionieren automatisch: Im Normalfall ist der Detrusor schlaff und der Schliessmuskel angespannt: Die Blase kann sich füllen und es tritt kein Urin aus. Beim Urinieren wird der Detrusor aktiviert und der Schliessmuskel erschlafft, damit der Urin ungehindert austreten kann. Bei einer Lähmung ist es oft so, dass die beiden Muskeln nicht mehr synchron arbeiten, es entsteht eine Detrusor-Sphincter-Dyssynergie DSD. Dabei sind beide Muskeln immer etwas aktiv, und der Blasendruck steigt. Das führt zu einer zunehmenden Verdickung der Blasenwand, die Harnleiter , die von den Nieren kommend in die Blase münden, können nicht mehr richtig abfliessen. Der Urin staut sich bis in die Nieren und eine Niereninsuffizienz entsteht. Es ist deshalb wichtig, die Blasenfunktion regelmässig zu überprüfen.

Es gibt mehrere Behandlungsoptionen dafür: Medikamente, welche aber gelegentlich zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Vergesslichkeit führen. Botox in die Blasenwand, was alle paar Monate wiederholt werden muss. Dann Neurostimulatoren, die chirurgisch eingesetzt werden. Früher waren die Brindley Stimulatoren das einzige, was wir hatten, heute sind die sacralen Neuromodulatoren beliebter, da viel weniger invasiv. Diese werden auch bei Fussgängern mit Inkontinenz zunehmend eingesetzt.

Die Untersuchung ist völlig schmerzfrei und wird auch bei Fussgängern mit voller Sensibilität nicht als unangenehm empfunden. Das einzige, was man spürt, ist das Gefühl einer vollen Blase. Die Katheter sind auch nicht hart, sondern flexibel.   Ich weiss nicht, welches Kathetermaterial es vor 15 Jahren gab, aber ich nehme an, dass es bereits ausgereift war, da man Cystomanometrien seit ca 1880 macht. Die Untersuchungen bei deinem Freund wurden wahrscheinlich nicht fachgerecht durchgeführt.

Die Untersuchungssituation ist nicht angenehm, Man wird auf einen Stuhl platziert, der ähnlich dem in der Gynäkologie ist. Und in dieser ausgelieferten Position einem Grobian ausgeliefert sein ist extrem traumatisierend. Dein Freund sollte unbedingt psychologische Hilfe bekommen und das Geschehene aufarbeiten.

Allenfalls wäre es für die Verarbeitung auch hilfreich, wenn er auch einmal mit einem unserer Urologen darüber reden könnte und man ihm, wenn er will,  die heutigen Katheter zeigt. Unsere Urologen sind alle sehr gesprächsorientiert und niemals würden sie diese Untersuchung machen, wenn sie schmerzt. Aber das ist sicher schon ein grosser Schritt, und ich glaube, dass er zunächst psychologisch darauf vorbereitet werden muss.

Ich hoffe, einige Erklärungen geboten zu haben und wünsche Dir und deinem Freund alles Gute.

Herzliche Grüsse

Dr. JEAN

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 3
Fleur Interessiertes Mitglied
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Lieber Dr. Jean,

ganz herzlichen Dank für die schnelle und hilfreiche Antwort. Diese Informationen sind sehr wertvoll und ich freue mich sehr darüber, dass Du Dir die Zeit nahmst, so ausführlich und einfühlsam auf mein Anliegen einzugehen.

Auch Dir alles Gute und nochmals vielen Dank!

 

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 4
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Hallo Liebe Fleur, habe gelesen das Doktor Jean dir geantwortet hat, also brauche ich sicher nichts mehr zu sagen, ausser toll das du dich so um dien Freund kümmerst:! 

Ich wünsche euch 2 nur das beste im Leben, für eine lange lange Zeit.! Und natürlich freue ich mich über neues oder Neuigkeiten. 

Herzlicher Gruss 

Francesco

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 5
Fleur Interessiertes Mitglied
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Lieber Francesco,

ich freue mich über deine lieben Worte. Mein Freund kümmert sich auch sehr um mich. Und ich hoffe, deine guten Wünsche erfüllen sich und wir haben noch eine lange, schöne Zeit gemeinsam.

Ganz herzlich

Fleur

  1. vor über einem Monat
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  3. # 1 6
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