Autorinnen: Claudia Zanini und Julia Amann (Schweizer Paraplegiker-Forschung)
 
Quellen: 1) Gibbs A. Focus groups. Social research update. 1997;19. 2) Morgan DL. Focus groups. Annual review of Sociology. 1996;22:129-52. 3) Wong LP. Focus group discussion: a tool for health and medical research. Singapore Medical Journal. 2008;49(3):256-61.
 

Eine Fokusgruppe ist eine Methode der qualitativen Forschung mit dem Ziel, Informationen über ein bestimmtes Thema von einer bestimmten Gruppe von Menschen zu erhalten, und zwar in Form einer moderierten Diskussion.

Was sind Fokusgruppen?

Unter einer Fokusgruppe versteht man eine organisierte Gruppendiskussion mit einem ausgewählten Kreis an Teilnehmern. Ziel ist es, Meinungen und Erfahrungen der Teilnehmer zum jeweiligen Thema herauszuarbeiten (Gibbs 1997).
Fokusgruppen sind eine Methode der qualitativen Forschung. Forschungsarbeit, die auf Fokusgruppen basiert, nutzt die Informationen, die in den Diskussionsrunden gewonnen werden. Durch den Austausch von Erfahrungen in der Gruppe entsteht ein sogenannter Gruppeneffekt; dabei handelt es sich um die gegenseitige Anregung von Erinnerungen und Ideen.

Wie funktioniert eine Fokusgruppe?

Eine Fokusgruppe besteht aus sechs bis zehn Teilnehmern und einem ausgebildeten Moderator. Der Moderator schlägt Diskussionsthemen vor, die in Zusammenhang mit der Forschungsfrage stehen und die Teilnehmer zur Interaktion animieren. Die Dauer der Diskussionsrunde kann eine bis zwei Stunden betragen.

Vorteile und Grenzen der Fokusgruppe als Forschungsmethode

Der Hauptvorteil von Fokusgruppen ist, dass auf diese Weise in kurzer Zeit enorm viele Informationen gesammelt werden können. Die Interaktion und Diskussion in der Gruppe ermöglicht es den Teilnehmern, auf den Ideen der anderen aufzubauen. Es werden Themen aufgeworfen, die in Einzelinterviews nicht angesprochen worden wären, ganz zu schweigen bei einer Umfrage. Fokusgruppen können Aspekte offenbaren, die die Forscher nicht erwartet haben, und so zu neuen Erkenntnissen führen.

Wie jede Forschungsmethode hat auch die der Fokusgruppe ihre Grenzen. Forschungsergebnisse, die auf Fokusgruppen basieren, können selten verallgemeinert werden – die geringe Teilnehmerzahl und die Auswahl der Teilnehmer sind meist nicht repräsentativ für die Meinung der Bevölkerung. Zudem können in Fokusgruppen folgende Einflussfaktoren auftreten: Verzerrung des Ergebnisses durch den Forscher (d.h. der Forscher ist Teil der Interaktion und könnte sie beeinflussen), Gruppendenken (d.h. die Gruppenmitglieder wollen Konflikte minimieren) und Verzerrung des Ergebnisses durch soziale Erwünschtheit (d.h. die Teilnehmer neigen dazu Antworten zu geben, die gesellschaftlich tragbar sind).

Wann werden Fokusgruppen eingesetzt?

Traditionell kommen Fokusgruppen in der Marktforschung zum Einsatz. Sie dienen in der Produktentwicklungsphase dazu, um Vorlieben der Verbraucher (z.B. in Bezug auf Verpackung oder Name) zu ermitteln. Im Bereich „Usability Engineering“ werden Fokusgruppen eingesetzt, um die Benutzerfreundlichkeit einer Software, eines Geräts oder einer Internetseite festzustellen.

Die medizinische Forschung setzt Fokusgruppen in verschiedenen Phasen eines Forschungsprojektes zu verschiedenen Zwecken ein. Beispielsweise kann dies in der Anfangsphase eines Projektes geschehen, um eine Hypothese aufzustellen. Werden Fokusgruppen im Verlauf einer Studie eingesetzt, dient dies dazu, Informationen zu sammeln über die Erfahrungen der Menschen mit einer Krankheit oder ihre Wahrnehmung der Ursachen für eine Krankheit. Sie können auch dazu dienen, die Meinung der Menschen in Bezug auf gesundheitsgefährdendes Verhalten oder die öffentliche Meinung zu Gesundheitsdienstleistungen und deren Anbietern in Erfahrung zu bringen. Am Ende eines Projekts kommen Fokusgruppen häufig zum Einsatz, um Feedback von den Teilnehmern zu erhalten, um unerwartete Ergebnisse zu erklären und um künftige Ausrichtungen der Forschung zu bestimmen.

Ein Beispiel für den Einsatz von Fokusgruppen im Bereich Querschnittlähmung ist die Studie mit dem Titel: „The individual experience of functioning and disability in Switzerland – patient perspective and person-centeredness in spinal cord injury” („Individuelle Erfahrungen zum Thema Funktionsfähigkeit und Behinderung in der Schweiz – Patientenperspektive und personenzentrierter Ansatz im Bereich Rückenmarksverletzung“). In dieser Studie wurden neun Fokusgruppen durchgeführt, um diejenigen Aspekte hinsichtlich Funktionsfähigkeit und Behinderung zu ermitteln, die für querschnittgelähmte Menschen von Bedeutung sind.

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