Passen wir uns Widrigkeiten klug an, können wir lange zufrieden leben, ohne viel aufzugeben.
- 3 Minuten Lesezeit
- 28. Juli 2025
- fritz
Gemäss der jüngsten Erhebung im Rahmen der Langzeitstudie SwiSCI der Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF) aus dem Jahr 2022 sind wir «QS’ler» recht optimistisch und trauen uns durchaus etwas zu (siehe den letzten Absatz in meinem letzten Blogbeitrag über das «Selbstmanagement»). Wir gehen mehrheitlich davon aus, dass sich unsere Erwartungen erfüllen und wir unsere gesteckten Ziele erreichen. Das trägt entscheidend dazu bei, dass wir zufrieden sind.

Ob jemand zufrieden ist, erkennen wir sofort.
Dosieren wir unsere Erwartungen richtig, sind wir zufriedener
Sind wir zufrieden, so fühlen wir uns wohl und strahlen das auch aus. Vielleicht würden wir sogar sagen, dass wir glücklich sind. Was wir erleben, deckt sich mit dem, was wir uns wünschen.
Dabei sind wir es, die bestimmen, wie unsere eigene kleine Welt aussehen soll. Je besser wir abwägen, was wir brauchen und wollen, desto zufriedener sind wir. Daraus lässt sich schliessen, dass es nicht schwer ist, zufrieden zu sein.
Ganz so einfach ist es leider nicht. Die Redensart «Die sind mit wenig zufrieden» deutet darauf hin. Gemeint ist oft, dass diese Einfaltspinsel gar nicht wissen, was möglich wäre. Eine Handvoll genügt ihnen schon.
Treffender wäre: Es muss ihnen genügen, denn freiwillig sind sie nicht so bescheiden. Vielleicht leben sie unter so rauen Bedingungen, dass sie froh sein müssen, wenn sie irgendwie durchkommen. Es kann auch sein, dass ihr Chef ihnen zu viel aufbürdet und kaum etwas bietet. Möglicherweise sind sie gesundheitlich angeschlagen, oder das Schicksal spielt ihnen übel mit.

Die Lebensbedingungen sind zu rau und lassen sich nicht ändern. Er muss fliehen.
Wir müssen hinnehmen, was sich nicht ändern lässt
Wir «QS’ler» haben alle erlebt, wie uns das Lähmungstrauma dazu zwang, unsere Lebenserwartungen und -ziele anzupassen. Manchen von uns gelingt die Umstellung schnell, anderen fällt sie schwer. Sie hadern mehr.
Die Faustregel besagt, dass es besser ist, sich unabänderlichen Bedingungen zu fügen. Ein alltägliches Beispiel veranschaulicht das: Wir ärgern uns darüber, dass es draussen windet und regnet. Dabei könnten wir zufrieden durch das garstige Wetter wandeln, wenn wir uns entsprechend kleiden würden.
Was wir nicht ändern können, müssen wir einfach hinnehmen, verkündeten schon die Stoiker im alten Griechenland. Ihnen genügte es, sich klaglos anzupassen oder, wie es im Volksmund heisst, «mit stoischer Ruhe».
Die Stoiker zielten darauf ab, so zu leben, dass sie nicht leiden mussten. Genau das widerfährt uns, wenn wir uns trotzig widersetzen, bis wir dem Druck doch nachgeben, weil es nicht anders geht. Das verbittert uns und macht uns sicher nicht zufrieden.

Der Musiker gibt sich mit wenig zufrieden. «Ein schlichtes Gemüt», würden böse Zungen spöttisch sagen.
Wer zu viel verlangt, wird unzufrieden
Wer sich widrigen Umständen ergibt, riskiert, von anderen als schlapp und feige bezeichnet zu werden. Diese lieben Mitmenschen höhnen, man sei nur zufrieden, weil man alles aufgegeben habe, und sprechen spöttisch von «resignativer Zufriedenheit», um sofort hinzuzufügen: «Das ist mir klar zu wenig.»
So prahlen diese zeitgenössischen Draufgänger. Dabei blenden sie vielfach aus, dass sie zu viel verlangen und verbissen Ziele verfolgen, die sie wahrscheinlich nie erreichen werden. Zufrieden macht das niemanden.
Zufriedener werden wir, wenn wir unser Leben abwägend dort gestalten, wo wir es beeinflussen können. Wo das nicht möglich ist, geben wir klein bei.
In einem meiner nächsten Blogbeiträge stelle ich Wege vor, mit denen wir unsere Selbstwirksamkeit, also eine gute Erwartungshaltung an uns selbst, fördern können.