Die Superhelden der Comics sind wie wir… aber wie sieht es mit behinderten Superhelden aus?

Welcher Superheld kommt Euch als erstes in den Sinn? Ich bin mir sicher, dass viele von Euch an Superman, Batman oder Spiderman denken…

Sie sind natürlich sehr berühmt, aber nicht jeder Superheld hat einen perfekten Körper, einen klugen Verstand oder Humor, und nicht jeder Superheld hat übernatürliche Kräfte. Tatsächlich sind fast alle Superhelden aus Comics, Cartoons und Filmen… Menschen!

Ein Schlüssel zum Erfolg für die Comicindustrie ist, dass sie ganz normale Menschen zu Superhelden macht. Deshalb gibt es heute Superhelden, die unterschiedlichen ethnischen Gruppen, sexuellen Orientierungen, Religionen usw. angehören, und deshalb sind auch Menschen mit Querschnittlähmung (QSL) vertreten.

captain america poster i want you

Die Comicindustrie will Euch! Deshalb gibt es inzwischen eine Vielfalt an Superhelden. (Quelle: https://marvelcinematicuniverse.fandom.com/wiki/Captain_America_(Fiction))

Charles Xavier a.k.a. Professor X

X-Men ist der Comic par excellence, der gezielt Minderheiten repräsentiert und gesellschaftliche Debatten führt. Die Comicserie erschien erstmals im September 1963 und bringt bis heute neue Alben heraus. Sie ist so berühmt geworden, dass sie viele Cartoons, Serien und Filme inspiriert hat. Wegen der riesigen Zahl an Geschichten und der komplexen Handlung ist es schwieriger, die Handlung von X-Men nachzuerzählen als eine ganze mexikanische Telenovela, aber versuchen wir's:

Die wichtigste und einflussreichste Figur der X-Men ist ihr Anführer und Mentor, Professor X. 1939 geboren unter dem Namen Charles Francis Xavier, entdeckt Charles im Alter von 10 Jahren seine telepathischen Fähigkeiten. Dies macht ihn zu einem Mutant, einer menschlichen Unterart, die mit übermenschlichen Fähigkeiten – aktiviert durch das «X-Gen» – geboren wird. Aufgrund der immensen psychischen Energie, die von seinem Kopf ausgeht, bekommt er schon in jungen Jahren eine Glatze.

Mit dem Heranwachsen lernt Charles, seine Kräfte zu steuern, und wird zum weltweit besten Telepathen. Trotz seiner Kräfte ist Charles ein geborenes Genie. Mit 16 macht er seinen Abschluss an der Harvard-Universität und studiert danach Genetik, Biophysik, Psychologie, Anthropologie und Psychiatrie in Oxford und an der Columbia-Universität.

Er dient auch in der U. S. Army, wo er zum ersten Mal Erik Lehnsherr trifft, der als «Magneto» einer der Antagonisten der Saga wird. Während einer Mission im Himalaya erleidet Charles durch einen Bergrutsch eine Querschnittlähmung. Es gibt auch andere Versionen seines Unfalls, z. B. trifft im Film «X-Men: Erste Entscheidung» eine durch Magneto abgelenkte Kugel Charles' Wirbelsäule.

professor x erinnert sich an erste x men

Charles Xavier erinnert sich an seine ersten Schüler, die jetzt X-Men sind. (Quelle: https://ultimate-marvel-cinematic-universe.fandom.com/wiki/Professor_X)

Nach dem Unfall denkt Charles über seinen Traum nach, eine Zukunft zu schaffen, in der Mutanten und Menschen friedlich nebeneinander existieren können. Er eröffnet die «Schule für begabte Jugendliche», eine Villa, in der junge Mutanten in Ruhe leben, studieren und lernen können, ihre Fähigkeiten für gute Taten einzusetzen. Die mächtigsten Schüler bilden dann die X-Men, eine Gruppe von Mutanten unter der Führung von Charles als «Professor X», die gegen andere Mutanten mit kriminellen Absichten kämpft.

Barbara Gordon a.k.a. Batgirl

Batman ist so berühmt, dass sogar Personen, die keine Comics lesen, seine unterstützenden Figuren wie Robin, Butler Alfred und Batgirl kennen. Deshalb waren alle Fans der Serie geschockt, als sie zusehen mussten, wie Batgirl im Comicband «Batman: The Killing Joke» vom Joker brutal angeschossen und gelähmt wird. Doch der Reihe nach…

Die junge Waise Barbara Gordon ist die Nichte des Polizeichefs von Gotham City, Jim Gordon, dem einzigen Polizisten, der mit Batman zusammenarbeitet. Das junge Mädchen ist sehr klug und eine talentierte Turnerin. Sie ist so besessen von Batman, dass sie sich selbst ein Outfit anfertigt und nach seinem Vorbild einen Kampf gegen das Verbrechen beginnt. Eines Nachts gelingt es ihr, Batmans Alter Ego Bruce Wayne vor einem Killer zu retten; von da an nennt sie sich Batgirl. Robin ist von den Fähigkeiten des Mädchens beeindruckt und überredet Batman dazu, sie in die Batman-Familie aufzunehmen.

batgirl

Batgirl (Quelle: https://www.dccomics.com/characters/batgirl)

Die Figur war am Anfang ein grosser Erfolg, aber mit der Zeit spielte sie eine immer kleinere Rolle; und zu der Zeit geschah es, dass der Joker – oder besser gesagt die Comicautoren – sie beinahe «töteten». Doch die Liebe zur Heldin war so stark, dass die Autoren ihr wieder Leben einhauchten: als Charakter mit einer Behinderung.

Barbara verbringt ihre Zeit damit, eines der kompliziertesten und leistungsstärksten Computersysteme der Welt zu entwickeln, in dem sie riesige Mengen an Informationen sammelt. Unter ihrer neuen Identität als Oracle arbeitet sie weiterhin für die Batman-Familie und gründet ihr eigenes Team von weiblichen Helden, die «Birds of Prey». Sie wird dargestellt als attraktiv, intelligent, gesund, unabhängig – und im Rollstuhl.

oracle

Oracle (Quelle: https://dc.fandom.com/wiki/Barbara_Gordon_(New_Earth)

Die Darstellung von Behinderung in Comic-Serien

Wie oben erwähnt, möchten Comics die Gesellschaft widerspiegeln. Leider gelingt das offenbar nicht immer: Manche Leser oder Aktivistengruppen empfinden die Darstellung bestimmter Figuren als sexistisch, homophobisch – oder behindertenfeindlich. Die Geschichte von Batgirl/Oracle wird gleich doppelt kritisiert. Zunächst bemängelten feministische Aktivisten, als Batgirl vom Joker verletzt wurde, dass sie als hilflos, abhängig und Opfer sexualisierter Gewalt dargestellt worden sei.

Nicht zuletzt wegen dieser Beschwerden änderten die Autoren schliesslich Barbaras Schicksal erneut: Sie «heilten» ihre Lähmung und liessen sie als Batgirl zurückkommen. Darüber ärgerten sich Behindertenaktivisten: Sie trauerten der Gelegenheit nach, die Figur von Oracle zu vertiefen und gegen das weit verbreitete Klischee der asexuellen Behinderten anzukämpfen. Ausserdem kritisierten sie, dass Barbara von ihrer Lähmung «geheilt» wurde; dies unterstelle, dass im Rollstuhl zu sitzen etwas Negatives sei, das es zu überwindenden gilt, so dies in der Realität noch nicht möglich ist.

Andere behinderte Comic-Helden wie Daredevil (durch einen Unfall erblindet), Echo (seit Geburt ohne Gehör) oder der oben erörterte Professor X sind weltweit anerkannt. Im Gegensatz zu dem, was mit Barbara Gordon passiert ist, möchte die Mehrheit der Leser diese Superhelden nicht von ihren Verletzungen oder Behinderungen geheilt sehen.

«Du wirst anders sein, manchmal wirst du dich wie ein Ausgestossener fühlen, aber du wirst niemals alleine sein.»

Superman

Die Welt der Comics verändert sich ständig, weil die Menschen sich verändern. Heute ist die Vielfalt der Comichelden immer wichtiger, denn sie erleichtern es allen gesellschaftlichen Gruppen, sich mit ihnen zu identifizieren. Ein berühmtes Beispiel ist die Figur des Black Panther, die erst kürzlich in den Medien präsent war, als ihr Darsteller Chadwick Boseman verstarb. Ausserdem gibt es – wenn auch weniger bekannt – einen Chinesischen Superman, einen homosexuellen Superheld Colossus und eine muslimische Superheldin Ms. Marvel.

In diesem Universum unterschiedlicher Comic-Figuren repräsentieren Professor X und Oracle Menschen mit QSL in positiven und aktiven Rollen. So helfen sie insbesondere jungen Menschen, die Stereotype über Menschen mit QSL zu abzubauen.

chadwick boseman als black panther

Chadwick Boseman als Black Panther (Foto von Marvel / Walt Disney Studios / Everett)

Was denkt Ihr über die Darstellung von Menschen mit Behinderungen in Comics? Welche Comicgeschichten und -figuren gefallen Euch?

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