• Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

  • Die Online-Community für Menschen mit Querschnittlähmung, ihre Angehörigen und Freunde

Franklin D. Roosevelt: Der starke Mann im Rollstuhl

Ein besonderer Präsident in aussergewöhnlichen Zeiten

Wie viele aktuelle oder frühere Weltpolitiker kennt Ihr, die während ihrer Amtszeit eine körperliche Behinderung haben bzw. hatten? Heute geht es um einen von ihnen: Franklin D. Roosevelt.

Franklin D. Roosevelt war der 32. Präsident der Vereinigten Staaten von 1933 bis zu seinem Tod im April 1945. Er war ein in vielerlei Hinsicht besonderer Präsident: Er wurde während der Weltwirtschaftskrise gewählt und er kämpfte und gewann den Zweiten Weltkrieg. Er ist auch der einzige Präsident in der Geschichte der USA, der mehr als zwei Amtszeiten diente: Er wurde für vier Amtsperioden gewählt und war zwölf Jahre lang bis zu seinem Tod Präsident. Heute lenken wir den Fokus auf ihn als Präsident mit einer Behinderung.

franklin d. roosevelt im rollstuhl

Ein seltenes Foto von Roosevelt im Rollstuhl.

Der Präsident mit einer Behinderung

Roosevelts Behinderung ist vermutlich das Resultat einer schweren Erkrankung, die er 1921 im Alter von 39 Jahren erlitt. Es handelte sich dabei entweder um Polio oder das Guillain-Barré-Syndrom. Die Erkrankung führte zum vollständigen Mobilitätsverlust in beiden Beinen und zu einer Schwächung seiner Kraft in der rechten Hand.

In den darauffolgenden sieben Jahren zog sich Roosevelt aus dem politischen Leben zurück, um sich in seiner Residenz in der Stadt Hyde Park im Bundesstaat New York seiner Rehabilitation zu widmen. Leider war diese nur bis zu einem gewissen Grad erfolgreich, weil die Behandlungs- und Rehabilitationsmöglichkeiten damals beschränkt waren. Dennoch gelang es ihm, mit Metallschienen an den Beinen kurze Strecken zu gehen.

Insbesondere von seiner Frau Eleanor liess sich Roosevelt dazu überreden, zurück in die Politik zu gehen. 1928 wurde er zum Gouverneur von New York gewählt. 1932 gewann er die Präsidentschaftswahl und wurde zum ersten Präsidenten mit einer schweren physischen Behinderung in der Geschichte der USA.

Ein Präsident mit Geschick und Tricks

Während seiner Präsidentschaft bestand Roosevelt darauf, in der Öffentlichkeit ohne Rollstuhl aufzutreten – obwohl die meisten US-Bürger hinsichtlich seiner Krankheit eher mitfühlend waren als dass es ihnen unangenehm war, einen Präsidenten mit Behinderung zu haben.

Gemäss diversen Quellen hatte das Weisse Haus von den Medien verlangt, dass sie den Präsidenten nicht als «behindert oder schwach» darstellen sollten. Generell respektierten die Journalisten diesen Wunsch, doch es gab auch Situationen, in denen Geheimdienstagenten von Journalisten verlangen mussten, sämtliche Fotos von Roosevelt im Rollstuhl zu vernichten.

Roosevelt entwickelte sogar ein paar Tricks, um seine Behinderung zu kaschieren. Bei öffentlichen Auftritten beispielsweise gab er vor zu laufen, indem er sich mit einer Hand an seinem Sohn oder einem Berater festhielt, sich mit der anderen auf einen Gehstock stützte und dabei die Beine nach vorne schwang. Ausserdem schrieb der Historiker Hugh Gregory Gallagher, dass «Roosevelt sich in stehender Position an einem Podium selbst stabilisieren konnte, einfach indem er sich am Podium festhielt und sein Becken so weit nach vorne schob, dass seine Hüftgelenke überstreckt waren. Ausser in dieser Position lief er immer Gefahr, an den Hüften einzuknicken und zu stürzen».

franklin d. roosevelt stehend

Ein Foto von Roosevelt im September 1933, als er bereits seit zehn Jahren an Lähmungserscheinungen litt. (Quelle: Getty Images)

Der Präsident mit einem Geheimnis

Die Gründe, warum Roosevelt seine Behinderung nicht öffentlich preisgeben wollte, sind noch immer unbekannt. Eine Erklärung ist, dass er sich dafür schämte; eine andere, dass er die Position der USA im Zweiten Weltkrieg schützen und verhindern wollte, dass die Nazis sein Image für Propaganda gegen die Amerikaner verwendeten. Eine dritte, die ich auch teile, ist, dass er als Politiker sein Image und seine Rolle als Präsident schützen wollte.

Man hatte festgestellt, dass vor Roosevelt Woodrow Wilson, der 28. Präsident der Vereinigten Staaten, seine lange Krankheit und dauerhafte Behinderung mindestens für Monate geheim gehalten hatte. Damals gab es keine verfassungsrechtlichen Vorgaben dazu, wie die Präsidentschaft gehandhabt werden sollte, falls der Präsident aufgrund einer Behinderung seinen Pflichten nur noch schwer nachkommen konnte. Wilsons Frau Edith war es, die einsprang und Wilsons Pflichten während seiner Genesung übernahm.

Wilson beendete seine Amtszeit schliesslich. Doch dieser Vorfall rückte gewiss die Uneindeutigkeit der US-Verfassung hinsichtlich einer Behinderung des Präsidenten ins Bewusstsein. Es war auch unsicher, wie die Bevölkerung einen weiteren Präsidenten mit einer Behinderung akzeptieren würde. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum Roosevelt so besonders vorsichtig mit dem Image seiner Behinderung war.

Was war Eurer Meinung nach der Grund dafür, dass Roosevelt seine Behinderung vor der Öffentlichkeit zu verstecken wollte? Was könnte heute anders sein, wenn er seine Behinderung bekannt gemacht hätte?

[Übersetzung des originalen englischen Beitrags]

Kommentare (1)

This comment was minimized by the moderator on the site

Ich erlaube mir den Hinweis, dass ich in meinem Buch "Ansonsten munter - Einscihten eines Rollstuhlfahrers" auf Seite 101 auch auf Roosevelt eingehe. Er verhielt sich so, weil er befürchtete, sonst als schwächlich und nicht belastungsfähig...

Ich erlaube mir den Hinweis, dass ich in meinem Buch "Ansonsten munter - Einscihten eines Rollstuhlfahrers" auf Seite 101 auch auf Roosevelt eingehe. Er verhielt sich so, weil er befürchtete, sonst als schwächlich und nicht belastungsfähig angesehen zu werden. Das ist eine Projektion, unter der wir alle leiden. Zumindest teilweise ist sie aber gerechtfertigt. Ich zitiere aus meinem Buch, wenn ich darf:

"Der amerikanische Kolumnist Charles Krauthammer bezeichnete dieses Verhalten als «Ethos der tapferen Selbstverleugnung». (...) Der 1950 geborene Krauthammer wurde 1972 nach einem
Tauchunfall zum Tetraplegiker. Er hatte sich den fünften Halswirbel gebrochen. Nach 14 Monaten Rehabilitation setzte er sein Medizinstudium fort. Schliesslich wurde er publizistisch tätig. In den Achtzigerjahren wechselte er von den Demokraten ins neokonservative Lager und wurde zum berühmten und landesweit anerkannten Kolumnisten und Autor. Ganz im Sinne seiner Sentenz, lebte auch er äusserst tapfer. Videos zeigen ihn im Elektrorollstuhl, geschniegelt in dunklem Anzug und Krawatte. Wer ihn so schön eingekleidet hat, erfahren wir nicht. Selbst schaffte er das kaum. Es ist nach heutigen Massstäben auch nicht wichtig. Wichtig ist dagegen, dass er auf keinen grünen Zweig gekommen wäre, wenn er seiner Lebensrezeptur nicht eine kräftige Prise «tapfere Selbstverleugnung» beigemischt hätte."

Weiterlesen
fritz
Noch keine Kommentare vorhanden.
Sei der Erste, der dies kommentiert!
Forum
Neueste Antworten
10 carken
Forschung über den Rückenmark
Hallo carken, mit solchen Fragen rennst Du bei mir ja offene Türen ein; ich finde das auch sehr spannend. Es wäre schön, wenn es hier im Forum mehr...
1 odyssita 16.11.2019
63 staldi
Wohnmobilreisen
Hallo staldi, schön, dass Du hier schreibst! Hach, Reisen ist einfach toll - schön, dass Du da Möglichkeiten gefunden hast! Vielleicht ist diese...
8 odyssita 16.11.2019
Hello again,
Hallo nichtsdestotrotz, schön, wieder von Dir zu lesen, und es freut mich sehr zu hören, dass sich viel bei Dir zum Guten getan hat! Liebe...
8 odyssita 16.11.2019
66 carken
Video: Einstellung gegenüber Gleichstellung von Menschen mit...
Salü carken .... une main de fer dans un gant de velours verstehe ich auch als: "c'est le ton qui fait la musique - oder der Ton macht die...
7 cucusita 12.11.2019
Frag den Experten
Neueste Antworten
349 carken
Amitiza umstellen
Lieber Carken herzlichen Dank für Deine Anfrage. Wir haben hier auch bereits von dem Medikament gehört, es aber nicht regelmässig im klinischen...
1 ANKS 10.09.2019
396 hanspeda
Kribbeln vom Rücken bis in den Fuss
Hallo lieber Hanspoeda  Danke für diene promet Antwort, und Erfahrung, Ok scheint wirklich eine sache der Posiotion zu sein, leider kan ich...
9 Francescolife 09.08.2019

Blog
Neueste Blog-Artikel
kitwan 12.11.2019 In Gesellschaft
Taiwans Gesetz für die Autonomie des Patienten
Das erste Gesetz über den «natürlichen Tod» in Asien
0
fritz 04.11.2019 In News
Jung im Alter
An einer Tagung von ParaHelp und der Klinik Balgrist bekamen wir Tipps und Tricks fürs Älterwerden serviert.
Muniba Mazari: Pakistans «Eiserne Lady»
Aus Unglück neue Möglichkeiten schaffen
0
Wiki
Am meisten gelesen
Neuropathischer Schmerz
Schmerz ist eine grundlegende menschliche Erfahrung, die wir vielfach in unserem Leben machen, manchmal sogar täglich. Man schlägt sich den Ellenbogen an, die Weisheitszähne drücken oder der Kopf brummt, wenn das Wetter umschlägt. Es gibt...
Gefahren bei eingeschränkter Sensibilität
Was wir unter Sensibilität verstehen Unter Sensibilität verstehen wir den fünften Sinn, das Fühlen. Anders als bei den anderen vier Sinnen hat die Sensibilität kein eigenes Sinnesorgan, wie zum Beispiel der Sehsinn das Auge. Das sensible System...
Abhusten und Sekretmobilisation
Das Abhusten von Sekret ist sehr wichtig, damit ein freies Atmen möglich bleibt. Husten ist ein Schutzreflex zur Reinigung der Atemwege, da so der Schleim gelockert und aus den Atemwegen herausgefördert werden kann. Zum Husten werden die Bauch-...

Über diese Community
Neueste Themen
14.11.2019 In Aktuelle Hinweise
Die Community an der Swiss Handicap 2019
Swiss Handicap, die «einzige nationale Messe für Menschen mit und ohne Behinderung», findet 2019 bereits zum fünften Mal statt. Am 29. und 30. November werden sich rund 150 Aussteller in der Messe...
0
14.10.2019 In Aktuelle Hinweise
Mann kann mit gedankengesteuertem Exoskelett wieder gehen
Thibault, ein querschnittgelähmter Mann aus Frankreich, kann wieder gehen – mit einem Exoskelett, dass er nur über seine Gedanken steuert. Der Versuch glückte im Rahmen einer klinischen Studie im...
0
09.10.2019 In Aktuelle Hinweise
Lesung mit unserem Blogautor Fritz Vischer
In einer Woche liest Community-Blogautor Fritz Vischer in Zürich Passagen aus seinem Buch «Ansonsten munter – Einsichten eines Rollstuhlfahrers». Dazu sind Expertinnen und Experten zum Gespräch...

Kontakt

Schweizer Paraplegiker-Forschung
Guido A. Zäch Strasse 4
6207 Nottwil
Schweiz

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
T 0800 727 236 (aus der Schweiz, kostenlos)
T +41 41 939 65 55 (aus anderen Ländern, kostenpflichtig)

Sei ein Teil der Community – melde dich jetzt an!