Daisy erzählt, wie sie es geschafft hat, im Rollstuhl über 60 Kilo abzunehmen

Wegen der Krankheit nahm Daisy 100 Kilo zu

Daisy ist 30 und gelernte Hauswirtschafterin. Sie wohnt mit ihrem Partner zusammen in einer kleinen Stadt im Nordschwarzwald. Vor ihrer Erkrankung leitete sie mit viel Elan und Freude die Gaststätte ihrer Eltern.

Als bei Daisy vor zehn Jahren Systemischer Lupus Erythematodes (SLE) diagnostiziert wurde, änderte sich für sie einiges. Die Autoimmunkrankheit griff ihr Nervensystem an; eine Hirnhaut- und Stammhirnentzündung (Meningitis und Enzephalitis) war die Folge. Diese entwickelte sich weiter zu einer Rückenmarksentzündung, die zu bleibenden Schäden an den Nerven führte. Seitdem ist Daisy querschnittgelähmt und kämpft sich zurück ins Leben. Doch sie ist noch immer nicht soweit, einen neuen Job auszuüben.

Die Cortison-Stosstherapie mitsamt ihren Nebenwirkungen – Wassereinlagerungen und verstärktes Hungergefühl – sowie der lange Krankenhausaufenthalt führten bei Daisy zu einer starken Gewichtszunahme: rund 100 Kilo. «Ich bin aufgegangen wie ein Hefezopf», sagt sie über sich selber.

Dass das so nicht bleiben konnte, war ihr sofort klar. Mit richtiger Ernährung und Sport sagte sie den Kilos erfolgreich den Kampf an. Welche Hürden sie überwinden musste und was ihr am meisten geholfen hat, hat sie der Community in einem Interview erzählt.

Daisy im Rollstuhl mit ihrem Hund Leo im Arm auf einer Wiese.

Labrador-Rüde Leo hält Daisy auf Trab und hilft ihr so beim Abnehmen.

Die richtigen Übungen finden

Während ihr neuer Partner Daisy bei ihrem Vorhaben unterstützte, machten es ihr die Umstände nicht leicht. Im Nordschwarzwald war das sportliche Angebot für Rollstuhlfahrer begrenzt bis nicht vorhanden. In Fitnessstudios waren die meisten Geräte nicht nutzbar, da die Sitze festmontiert waren oder Rückenlehnen fehlten. Und auch das Internet bat nicht viel an. Es blieb ihr nur das eigenständige Training zuhause.

Zusammen mit ihrer Physiotherapeutin erarbeitete Daisy einen Trainingsplan mit Übungen, die sie ausführen konnte. Wichtig war es, den Körper und seine Möglichkeiten richtig einzuschätzen. Wie gut sind die eigene Rumpfstabilität und die Mobilität der Arme zum Ausbalancieren? Wegen der unterschiedlichen Höhe der Lähmung gab es Übungen, die Daisy auf der rechten Seite problemlos ausführen konnte, aber auf der linken Seite schwierig waren. Sie konnte also nicht einfach klassische Oberkörper-Übungen aus Videos übernehmen und im Sitzen ausführen.

Es kostete Daisy Zeit und Durchhaltevermögen, alternative Lösungen zu finden. Sie ist froh, eine gute und ambitionierte Physiotherapeutin zu haben. Die meisten Physios sind nicht für den Umgang mit querschnittgelähmten Patienten geschult, erzählt Daisy, auch ihre Therapeutin nicht. Doch sie las sich in die Thematik ein, um Daisy besser unterstützen zu können.

Die Krankheit erlaubt das Einhalten des Trainingsplans nicht

Daisy trainiert mit dem Fitnessband und Gewichten. Doch sie benutzt keine normalen Hanteln. Aufgrund von Krämpfen, vor allem in den Händen, kommt es vor, dass sie Hanteln fallen lässt oder gar nicht loslassen kann. Deshalb benutzt sie Gewichtsmanschetten. «Eine Delle im Boden reicht!», lacht sie. Den Trick hat sie aus der Reha, als sie zusammen mit einem Tetraplegiker trainierte.

Daisy trainiert im Rollstuhl mit Gewichtsmanschetten an den Armen.

Dank der Gewichtsmanschetten trainiert Daisy ohne Angst, dass ihr die Hanteln aus der Hand gleiten.

Doch Daisys liebstes – und daher effektivstes – Workout ist das Handbike. Es ist nicht nur sportlich, sondern gibt ihr auch Mobilität und ist leicht in den Alltag zu integrieren. Sie benutzt das Modell Speedy Versatio F; es bietet auch eine Motorunterstützung, die nach Bedarf stufenweise eingestellt werden kann. Und weil es ihr so viel Spass macht, benutzt sie es sehr oft.

An ihrer Seite ist seit drei Jahren ihr vierbeiniger Freund Leo: ein Labrador-Rüde, der sie auf Trab hält und mit dem sie derzeit eine Ausbildung zum Begleithund macht.

Daisy erwähnt auch das Rolli-Zumba, das während der Coronazeit online angeboten wurde und ihr viel Spass gemacht hat. Doch leider gibt es das nicht mehr und auch keine ähnlichen Angebote. Trainingsvideos für Menschen ohne Behinderung gibt es im Vergleich wie Sand am Meer, sagt sie.

Daisy ist es nicht möglich, sich an einen strikten Trainingsplan zu halten. Sie muss ihr Training an ihre körperliche Verfassung anpassen, die durch die Krankheit beeinflusst wird.

Daisy im Handbike mit ihrem Hund Leo auf einem Weg in der Natur.

Weil Daisy ihr Handbike so viel Spass macht, benutzt sie es oft.

Die richtige Ernährung und das richtige Trinkverhalten

Neben dem Training ist die Ernährung ein wichtiger Faktor. Daisy erzählt, dass sie vor allem über die Ernährung abgenommen hat. Einen Punkt hebt sie hervor: das richtige Trinkverhalten. Eine hohe Menge an Flüssigkeit, insbesondere stilles Wasser, hilft beim Abnehmen. Darauf deuten Untersuchungen hin. Der Körper kann das Durstgefühl leicht mit einem Hungergefühl verwechseln, wodurch man mehr isst als nötig. Ausreichend trinken, am besten bevor man Durst bekommt, kann dem vorbeugen. Zudem kurbelt ein halber Liter Wasser vor jeder Mahlzeit den Energieumsatz an.

Wichtig ist, Wasser oder ungesüsste Tees zu trinken, um nicht unnötige Kalorien zu sich zu nehmen. Bei der Umstellung fiel Daisy auf, dass nicht jedes Wasser gleich schmeckt. Sie kauft jetzt ein etwas teureres Wasser, das sie lieber trinkt.

Ihr Wissen zum Thema Ernährung hat sie sich selbst angeeignet. Ihre Berufsausbildung umfasste auch das Thema Ernährung, an dem sie schon damals sehr interessiert war. Nach ihrer Erkrankung kaufte sie sich spezielle Bücher zum Thema Ernährung und Querschnittlähmung oder Ernährung und SLE. So lernte sie, welche Lebensmittel für Rollstuhlfahrer schwieriger zu verdauen sind und welche sich positiv auf ihre Krankheit auswirken können.

Daran orientiert sie sich, aber es ist ein Auf und Ab, gibt sie zu. Das hat auch mit ihrer psychischen Verfassung zu tun. Aus eigener Erfahrung rät sie anderen, bei einer Ernährungsumstellung nicht auf alles zu verzichten, was «nicht gut» ist. Auch kleine Süssigkeiten und Snacks sollten dazugehören. Zu viel Verzicht kann zu Heisshunger und psychischem Stress führen, was kontraproduktiv ist.

Therapie mit Bienengift

Ein weiterer entscheidender Punkt für Daisy war das Absetzen der kortisonhaltigen Medikamente und das Ende der damit verbundenen Nebenwirkungen. Dies gelang Daisy durch eine monatelange Therapie mit Bienengift: Sie liess sich regelmässig von Bienen stechen. Die komplexe Mischung des Gifts führt bei gesundem Gewebe zu einer lokalen Entzündung; bei entzündetem Gewebe hat es jedoch eine antientzündliche Wirkung, denn die Giftbestandteile Apamin und Melittin regen die körpereigene Kortisonproduktion an und hemmen so die überschiessende Immunreaktion. Seit der Therapie ist Daisys CRP-Wert – c-reaktives Protein, das als zuverlässiger Entzündungsparameter gilt – deutlich gesunken. So war sie nicht mehr auf Kortison angewiesen, um den Wert zu senken.

Achtung: Die Therapie mit Bienengift ist noch nicht ausreichend erforscht und die Effektivität nicht wissenschaftlich belegt. Die hier beschriebenen Effekte beruhen ausschliesslich auf persönlichen Erfahrungen. Wie jede Therapie bietet auch diese Risiken. Bevor ihr die Therapie in Betracht zieht, informiert Euch ausreichend und macht in jedem Fall einen Allergietest.

Unterstützung durch einen Coach

An einem bestimmten Punkt kam Daisy nicht mehr alleine weiter. Ihre Erfolge stagnierten. Sie wendete sich an einen Trainings- und Ernährungscoach, der ihren Kalorienbedarf ermittelte und einen individuellen Ernährungsplan erstellte. Dieser enthält verschiedene Mahlzeit-Optionen und genaue Mengenangaben für Frühstück, Mittag- und Abendessen. Auch ihr Coach hat noch keine Erfahrung mit querschnittgelähmten Kunden, bemüht sich aber dazuzulernen.

Dass der Ernährungsplan funktioniert, zeigt sich an Daisys Gewicht: Von Januar bis August 2022 nahm sie 20.5 Kilo ab. Jetzt fehlen ihr nur noch 10 Kilo bis zu ihrem Zielgewicht von 85 Kilo.

Vorher-Nachher-Bild: Links Daisy im Jahr 2014 vor dem Abnehmen und rechts im Jahr 2020 nach dem Abnehmen.

Daisy im Jahr 2014 (links) und im Jahr 2020 (rechts).

Relevant sind aber nicht nur die verlorenen Kilos, sondern auch Volumenmesswerte, also der Umfang. Daisy misst ihren Bauchumfang, da er viel aussagekräftiger ist als das auf der Waage angezeigte Gewicht. Das Gewicht ist zu unzuverlässig, da es über den Tag schwanken kann. Zudem bedeutet mehr Gewicht nicht unbedingt mehr Fettpolster, denn beim Training wird Muskelmasse aufgebaut, die deutlich schwerer ist. Es kann schlecht für die Motivation sein, wenn das Gewicht stagniert, weil der Muskelaufbau und das verlorene Fett sich die Waage halten.

Auf ihrem Instagram-Profil @daisy_wheelchair teilt Daisy ihre Erlebnisse und Erfahrungen rund um die Themen Abnehmen, Ernährung, ihre Krankheit und das Leben im Rollstuhl. Sie möchte damit anderen die Inspiration bieten, die sie damals vergeblich gesucht hat.

«Ich möchte zeigen, dass alles möglich ist. Du musst daran glauben und deinen Schweinehund besiegen. Und man muss dranbleiben, denn nach zwei Tagen Training hat man eben noch nicht die Top-Figur.»

Daisy

Welche Tipps habt ihr zum Thema Abnehmen? Teilt sie gerne mit uns!

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