Egal, ob sportliche, politische oder kreative Interessen – es gibt für alle barrierefreie Angebote und die Möglichkeit, neue Leute kennenzulernen.
- 4 Minuten Lesezeit
- 06. Januar 2026
- Sandra Steinmann
Wenn nach einem Unfall oder einer Krankheit die eigene Welt Kopf steht, wächst der Wunsch nach Normalität. In der Schweiz gibt es zahlreiche barrierefreie Angebote und Gruppen für Menschen im Rollstuhl, die sportlich, kreativ, gesellschaftlich oder politisch aktiv sein möchten.
In diesem Blogartikel stellen wir sportliche Angebote, kreative Organisationen, Initiativen für mehr Inklusion sowie gesellschaftliche Aktivitäten vor. Vielleicht entdeckt ihr eine Aktivität oder Gruppe, die zu euch passt, oder ihr bekommt Lust, selbst etwas Neues zu starten.
Sportliche Aktivitäten ohne Barrieren

Handbike-Trail-Angebote der SPV sind eine perfekte Mischung aus Spass und Sport in der Gruppe. (Bild: https://www.spv.ch)
Die Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) bietet Menschen mit Querschnittlähmung eine Vielzahl verschiedener Sportarten. Von Rollstuhlbasketball und Handbike bis hin zu Tischtennis und Volleyball ist alles dabei. Ob in der Freizeit oder im Wettkampf, hier findet jede und jeder ein passendes Angebot, das Bewegung, Gemeinschaft und Lebensfreude vereint.
«Ein Breitensport-Kurs bei der SPV ist das Rundum-sorglos-Paket: Man weiss, es ist alles top vorbereitet, egal für welches Niveau.»
Christian Rusterholz, Teilnehmer am Giro Suisse
Auch in der Natur gibt es viele Möglichkeiten. SchweizMobil beispielsweise präsentiert hindernisfreie Routen in der Schweiz und ermöglicht allen den Zugang zu Naturerlebnissen. Zu jeder Route gibt es eine Übersicht mit Karte, Höhenprofil und Angaben zur Wegbeschaffenheit sowie zu Steigungen.
Bei Procap finden Wasserratten eine Übersicht über barrierefreie Schwimm- und Hallenbäder in der Schweiz. Ihr erfahrt, wo ein Zugang mit dem Rollstuhl möglich ist, welche Hilfsmittel vor Ort verfügbar sind und welche Bäder spezielle Angebote für Menschen mit Behinderung haben. Procap hat die Zugänglichkeit zahlreicher Hallen- und Freibäder geprüft, um Betroffenen Orientierung zu geben und die Betreiber für Barrierefreiheit zu sensibilisieren.
«Wir sind an den meisten Orten auf viel Bewusstsein und Verständnis gestossen. Und wir konnten feststellen, dass bei Sanierungen und Umbauten die Mängel behoben und die nötigen Anpassungen realisiert werden.»
Hans Frei, Zentralpräsident von Procap Schweiz
Inklusive Angebote in Kunst und Kultur

DanceAbility verbindet Menschen mit und ohne Behinderung durch Improvisation und gemeinsame Bewegung. (Bild: https://www.tanzhaus-zuerich.ch/)
Ein besonderes kulturelles und kreatives Angebot ist das der DanceAbility im Tanzhaus Zürich. Das inklusive Tanzangebot richtet sich an alle mit oder ohne Behinderung und unabhängig von ihrer Tanzerfahrung. Die Workshops sind rollstuhlgängig und auf Wunsch in deutscher Gebärdensprache.
Einen weiteren Einblick in die Welt des Rollstuhltanzes gibt es im Blogartikel «Tanzen im Rollstuhl – aber sicher doch!». Dort findet ihr Tipps und Links, beispielsweise zu BewegGrund, einem Verein, der inklusive Tanzprojekte in der Schweiz initiiert. Der Rollstuhlclub Solothurn bietet ab März 2026 ebenfalls wieder einen Tanzkurs in Nottwil an.
Der Verein Wildwuchs in Basel organisiert das Wildwuchs Festival und bietet Menschen mit und ohne Behinderung eine Bühne für Theater, Tanz, Performance und Musik. Der Verein realisiert zudem Projekte und Workshops, bei denen die Teilnehmenden aktiv mitwirken. In den vergangenen Jahren sind dabei Tanzproduktionen mit internationalen Ensembles entstanden.

Wildwuchs bringt internationale Künstlerinnen und Künstler mit und ohne Behinderung zusammen und schafft Raum für Theater, Tanz, Performance und Musik. (Foto: Gregor Brändli / Bildkonzept, Cast: Manuel Bürkli / https://manuelbuerkli.com/)
In der Ostschweiz engagiert sich der Verein Kultur für alle für einen hindernisfreien Zugang zu Kulturveranstaltungen. Ausserdem stärkt er die Sichtbarkeit von Kulturschaffenden mit Behinderung und vernetzt sie mit Institutionen und Politik.
Das Literaturhaus Zürich bietet einen weitgehend barrierefreien Zugang zu seinem Gesellschaftshaus, zu Lesungen, zur Bibliothek und zu kulturellen Veranstaltungen.
In seiner Mediathek stehen vergangene Veranstaltungen als Video, Foto oder Hörbuch zur Verfügung.
Gemeinsam für mehr Inklusion
«Leave No One Behind» ist ein zentraler Grundsatz der UNO-Agenda 2030 und wird in der Schweiz vom Swiss Disability and Development Consortium (SDDC) unterstützt. Die Mitglieder setzen sich gemeinsam dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen in der Politik und Entwicklungszusammenarbeit nicht übersehen werden.
Ein Beispiel für gelebten Aktivismus ist die Inklusions-Initiative, die sich für Teilhabe, Selbstbestimmung und Gleichstellung einsetzt. Sie wurde vom Verein für eine inklusive Schweiz initiiert und wird von Pro Infirmis, Inclusion Handicap und weiteren Organisationen unterstützt.

Die Inklusions-Initiative fordert, dass Menschen mit Behinderung gleiche Rechte, echte Teilhabe und Selbstbestimmung sowie die notwendige Unterstützung erhalten. (Bild: https://www.inklusions-initiative.ch/)
Eine weitere Möglichkeit, sich zu engagieren, bietet Agile mit Möglichkeiten zum Austausch, zu Netzwerktreffen und zur politischen Mitarbeit. Agile ist der Dachverband der Selbsthilfe- und Selbstvertretungsorganisationen von Menschen mit Behinderung in der Schweiz.
Das Netzwerk Avanti setzt sich für FLINTA-Personen (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nicht-binäre, trans und agender Personen) mit Behinderung ein. Es macht Mehrfachdiskriminierung sichtbar und wirkt ihr aktiv entgegen. Mehr dazu im Blogbeitrag «Queer und im Rollstuhl – doppelt im Abseits?»
Gesellschaftliche Aktivitäten und weitere barrierefreie Freizeitangebote
Im Eventkalender der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung (SPV) findet ihr Freizeit- und Gesellschaftsaktivitäten wie Yoga oder Töpfern sowie Onlinekurse wie beispielsweise «Clever essen und trinken».
Pro Infirmis organisiert ebenfalls Freizeitangebote, die Austausch und Gemeinschaft fördern. Von Gesprächsgruppen bis zu gemeinsamen Unternehmungen können bei all diesen Aktivitäten wertvolle Kontakte und bereichernde Begegnungen entstehen.
Von der Idee zur eigenen Gruppe
Manchmal entspricht keine der bestehenden Gruppen den eigenen Vorstellungen oder es gibt neue Ideen, die darauf warten, umgesetzt zu werden. Dann lohnt es sich, selbst aktiv zu werden und eine eigene Gruppe zu gründen. Plattformen wie das Forum der Paraplegie-Community helfen dabei, Gleichgesinnte zu treffen, Erfahrungen auszutauschen oder Interessierte für Projekte zu finden. Auch die Rollstuhl-Gruppe Schweiz auf Facebook bietet die Möglichkeit, sich mit Betroffenen und Angehörigen zu vernetzen, Tipps zu teilen und gemeinsame Aktivitäten zu planen.
Welche Hobbys, Aktivitäten oder Leidenschaften habt ihr weitergeführt und welche habt ihr neu für euch entdeckt?