Wir haben auf der Strasse gefragt: „Haben Sie schon einmal einem Menschen mit Behinderung geholfen?“

Vor ein paar Wochen haben wir in die Community gefragt: Wie hilfsbereit sind Deine Mitbürger? Und es kamen zahlreiche Antworten. Wir haben die Diskussion für Euch zusammengefasst – und am Ende mal die „andere Seite“ befragt: Haben Sie schon einmal einem Menschen mit Behinderung geholfen?

Im Grossen und Ganzen berichten die User auf der Community eher von positiven Erfahrungen mit der Hilfsbereitschaft ihrer gehenden Mitbürger. Userin cucusita erlebt dies in unterschiedlichen Situationen, wie auf ihrem Scooter, in Restaurants und mit den Nachbarn. Francescolife bekommt regelmässig Hilfe beim Ein- und Ausladen des Rollstuhls aus dem Auto angeboten. Und auch bei fritz und odyssita überwiegen die positiven Erlebnisse – wenngleich ihnen die negativen ebenso wohlvertraut sind.

Ein Thema, das auf der Community immer wieder für Gesprächsstoff sorgt, sind Behindertenparkplätze. User Francescolife beobachtet häufig, dass andere solche Parkplätze unbefugt besetzen und dann mit faulen Ausreden kommen. Deshalb wurden in Frankreich und im Tessin schon Schilder aufgestellt, um Falschparkern ein schlechtes Gewissen zu machen – vielen Dank an Frank Risi und Harry Wohlgroth für die Schilderbilder :smileyhappy:

Unterschiede zwischen den Ländern?

Auch über die Frage, welche Art von Menschen in der Öffentlichkeit helfen, wurde diskutiert. odyssita hat beobachtet, dass oft Menschen Mitgefühl zeigen, die es selber im Leben nicht so einfach haben. Tulipe stellt sehr interessante Unterschiede zwischen den Ländern fest: Demnach sind die Schweizer wenig hilfsbereit, weil sie weniger spontan sind. Besser schneiden bei ihr die Franzosen und die Deutschen ab.

Zum Schluss überlassen wir das Wort denen, über die hier diskutiert wurde – die „Fussgänger“. Wir haben mal in Zürich auf der Strasse nachgefragt: „Haben Sie schon einmal einem Menschen mit Behinderung geholfen?“ Die Antworten findet Ihr in diesem kurzen Video:

Wir sind sehr gespannt, falls auch Du noch einen Input zu diesem spannenden Thema hast!

Kommentare (1)

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Dies ist ein vielschichtiges Thema und Mentalitäten, Erfahrungen usw. spielen eine grosse Rolle. Ich denke, dass alle normalen Menschen hilfsbereit sind, aber es ist für Menschen ohne Behinderung nicht immer leicht, genau zu erkennen, wo man...
Dies ist ein vielschichtiges Thema und Mentalitäten, Erfahrungen usw. spielen eine grosse Rolle. Ich denke, dass alle normalen Menschen hilfsbereit sind, aber es ist für Menschen ohne Behinderung nicht immer leicht, genau zu erkennen, wo man Hilfe anbieten darf/soll und wo sie eher auf Ablehnung stösst. Wie will man wissen, ob ein Rollstuhlfahrer den Rollstuhl selber im Auto verstauen kann oder es schafft, in den Bus zu fahren? Für denjenigen der die Hilfe anbietet, ist das eine einmalige Sache, für denjenigen der gefragt wird, eine alltägliche und kann somit verständlicherweise auch mal auf den Wecker gehen.
Der Gebrauch von Behindertenparkplätzen durch Unberechtigte ist tatsächlich ein grosse Problem. Mein Spruch, wenn ich jemanden auf frischer Tat ertappe, kommt jeweils sehr schlecht an: "Behindertenparklätze sind nicht für geistige Behinderungen gedacht." Dieser Rücksichtslosigkeit begegnen aber auch Nichtbehinderte jeden Tag. Auf Velowegen wird parkiert, Ausfahrten werden blockiert, Velowege werden als Lagerplatz für Baustellen missbraucht usw. Es ist die zunehmende Verrohung unserer gesamten Gesellschaft. Rückblickend habe ich das Gefühl, dass unsere Werte immer mehr verfallen.
Ein Grundproblem der Hilfe für Menschen mit einer Behinderung zieht sich durch den ganzen Film - es gibt kaum Möglichkeiten, seine Hilfe anzubieten. Ich begegne im Monat vielleicht eins bis zwei Rollstuhlfahrern und mal einem Blinden, dem man noch am offensichtlichsten helfen kann. Menschen mit geistigen Behinderungen werden morgens zu Hause abgeholt und am Abend wieder nach Hause gebracht. Viele Menschen mit körperlichen Einschränkungen leben in Einrichtungen, die ihnen im Alltag helfen. Wenn man mit etwas nicht konfrontiert wird, dann verunsichert es umso mehr, wenn man es dann doch mal wird.
Ich möchte zwei persönliche, unterschiedliche Erfahrungen teilen:
in den 80-er Jahren gabe es zum Thema Behinderung und Sexualtitä einen Film im Fernsehen. Unter anderem wurde eine junge Frau gezeigt, der Arme und Beine weitgehend von Geburt an fehlten. Sie wohnte mit einem Studenten in einer WG, mit dem sie auch kuscheln - aber nicht mehr - konnte. Es waren sehr intime Einblicke in die Bedürfnisse dieser Frau. Am nächsten Tag traf ich beim Parkplatz vor der Balgrist Klinik genau diese junge Frau und sie sprach mich an, ob ich ihr mit Münz für den Parkingmeter aushelfen könnte. Ich war vor Schreck wie gelähmt und tausend Sachen schossen mir durch den Kopf - wie kann sie überhaupt Auto fahren und eben, was ich im Film über sie gesehen habe. Am ganzen Körper zitternd klaubte ich mein Portemonnaie hervor und gab ihr das gewünschte Münz. Ich habe mich später über mich selber aufgeregt, weil mich diese spontane, für mich einmalige Situation dermassen überforderte.
Wenn ich mit einem jungen Mann, mit schweren körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen Zug fahren gehe, kommt es immer wieder Mal zu einer Art von epileptischen Anfällen - meist natürlich im ungünstigsten Moment, etwa beim Aussteigen. Da kann ich mich vor Hilfsangeboten kaum erwehren und ich muss sie leider alle ablehnen, weil man in diesem Fall eigentlich nichts weiter tun kann, als abzuwarten und sicherzustellen, dass sich der Betroffene nicht verletzt. Dazu braucht es keine weitere Hilfe.
Der Beobachtung von odyssita, dass Menschen oft Mitgefühl zeigen würden, die es selber im Leben nicht so einfach haben, möchte ich hinzufügen, dass es aus meiner Beobachtung heraus, ebenso die andere Seite gibt. In meinem ziemlich privilegierten Umfeld sieht man sein eigenes, weitgehend sorgenfreie Leben auch als Verpflichtung, jenen zu helfen, mit denen es das Schicksal weniger gut meint. Und nicht jeder hat täglich die Möglichkeit, jemandem persönlich zu helfen. Ein privates finanzielles Engagement eröffnet manchen Einrichtungen Möglichkeiten, die auf dem öffentlichen Weg nicht möglich wären. Das SPZ ist ein gutes Beispiel dafür.
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