Bei der Auswahl eines Rollstuhls gibt es nur eine gute Lösung

«Probieren Sie mal was anderes!» Diese typische Empfehlung jedes umsatzorientierten Verkäufers führt bei der Auswahl eines neuen Rollstuhls ins Unglück.

Der Rollstuhl ist Teil meines Skeletts. Seine Masse, meine Sitzhaltung und meine Rumpfkontrolle bestimmen, wie mein Rollstuhl ausgestaltet sein muss. Wie bei Kleidungsstücken gibt es nur eine gute Lösung.

alter rollstuhl

Keine Experimente: Der neue Rollstuhl muss so sein wie der alte, Jahrgang 1996.

Mein Modell ist nicht mehr zugelassen

Bei mir heisst diese Lösung seit 1992: Quickie GPV, Sitzfläche leicht geneigt, 38 cm breit, 45 cm tief, Rückenlehne 40 cm hoch, keine Seitenlehnen. Dazu noch einige Extras: Die Rückenrohre müssen verstärkt sein, die Bespannung – Marke Küschall! – oben ebenso.

Nur bei den Rädern gewähre ich mir inzwischen etwas anderes: extraleichte schmale Felgen, 25 Zoll, nicht die originalen. Der Abstand zwischen Pneu und Greifreifen muss so breit sein, dass ich mit dem Daumen einhängen kann. Das und nichts Anderes brauche ich.

greifreifen des neuen rollstuhls

Ich muss mit dem Daumen am Greifreifen einhängen können.

«Ich will genau dasselbe, was ich schon habe, nur neu muss es sein», erkläre ich meinem Händler, einem erfahrenen Orthopädisten, im November letzten Jahres. Zehn Tage später meldet er mir, dass mein Rollstuhl-Modell in Europa nicht mehr zugelassen ist. «Dann bestellst du ihn in den USA», heisse ich ihn etwas aufgebracht.

Nach einer Woche berichtet er, das sei verboten, der Importeur könne es sich nicht erlauben, gegen einschlägige Bestimmungen zu verstossen. Es sei mir indes freigestellt, nach Amerika zu reisen und mir dort einen zu besorgen, lasse er mit besten Grüssen ausrichten. Ich hatte den Importeur zuvor an der Messe Swiss Handicap in Luzern getroffen.

Es sind nur Ersatzteile

Der Verkäufer und ich sinnierten und knackten schliesslich die bürokratische Nuss: Eine neuwertige verstärkte Rückenlehne fand ich im Kleiderschrank, Räder und Rückenbespannung will ich eh nicht die originalen. Wir bestellen also nur einen Rahmen mit Fussteil in den USA – als Ersatzteile.

rückenlehne des neuen rollstuhls

Die Rückenbespannung muss oben verstärkt sein, damit sie mich aufrichtet.

Das ging durch, beim Zoll und bei der Invalidenversicherung, und zwar als «Adaptiv-Rollstuhl BG-3, Tarifposition 30.030.000, umfassend Quickie GPV auf Basis Eigenbau, Tarifposition 30.100.999». Am 13. Januar ging der Antrag an die IV. Exakt einen Monat später hiess sie ihn gut.

Anfang Juli bekam ich meinen neuen Rollstuhl. Erst Mitte August raffte ich mich auf, ihn auszuprobieren. Wie befürchtet, war er doch minim anders: «Verdammt nochmal, nie wieder ein neuer Rollstuhl», schmollte ich. «Es ist wie mit neuen Wanderschuhen», tröstete mich mein Physiotherapeut.

Recht hat er: Auch Wanderschuhe müssen einfach passen, nicht «anders» sein. Anfänglich sind sie etwas widerspenstig wie mein neuer Rollstuhl. Inzwischen habe ich mich an ihn gewöhnt. Er läuft leichter als der alte.

wanderschuhe

Wie unsere Rollstühle müssen Wanderschuhe einfach passen.

Welche Erfahrungen habt Ihr mit dem Kauf von Rollstühlen? Probiert Ihr gerne etwas Neues aus oder greift Ihr lieber auf Bewährtes zurück?

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