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Wissenschaft

In Erinnerung an Dr. Renaldo Bernard: Ein Leben voller Mut

Dr. Renaldo Bernard war ein engagierter Forscher und Innovator. Dank seiner Arbeit verstehen wir besser, wie Menschen mit Querschnittlähmung digitale Hilfsmittel einsetzen, um ihre Gesundheit zu managen.

Mit grosser Trauer geben wir den Tod unseres lieben Kollegen und Freundes Dr. Renaldo Bernard bekannt, der im Alter von nur 37 Jahren viel zu früh von uns gegangen ist. Renaldo war nicht nur ein herausragender Forscher bei der Schweizer Paraplegiker-Forschung (SPF), sondern auch ein aussergewöhnlicher Mensch. Sein Lebensweg war geprägt von Stärke, Neugier und grossem Engagement, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.  

Dr. Renaldo Bernard und seine Arbeitskolleginnen und -kollegen posieren für ein Gruppenfoto.

Renaldo und seine Arbeitskolleginnen und -kollegen von der Ageing, Functioning Epidemiology and Implementation Group der SPF.

Renaldo wurde auf Barbados geboren und von seiner Grossmutter aufgezogen. Sie war ein starker und liebevoller Mensch, der ihn ermutigte, über seine sozioökonomischen und gesundheitlichen Einschränkungen hinauszuwachsen.

Er wurde mit einem Herzfehler geboren, wegen dem er sich bereits in jungen Jahren häufig in Operationssälen und Krankenhausstationen aufhalten musste. Diese Erfahrungen waren belastend und kräftezehrend, doch sie konnten seinem Herzen nichts anhaben. Deshalb wurde er auch «Renaldo das Löwenherz» genannt.

Im Laufe seines Lebens war Renaldo immer wieder auf medizinische Versorgung angewiesen. Dabei lernte er die grossen Errungenschaften, aber auch die Schwächen der Medizin kennen. Besonders eine Beobachtung liess ihn nicht mehr los: die geringe Nutzung digitaler Hilfsmittel, um Patientinnen und Patienten zu befähigen, ihre Gesundheit selbst in die Hand zu nehmen.

Digitale Befähigung als Lebensaufgabe

Bei der SPF verfasste Renaldo wegweisende Studien darüber, wie Menschen mit Querschnittlähmung digitale Hilfsmittel wie Smartphones, Tablets und Gesundheits- und Fitness-Tracker nutzen, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden im Alltag zu überwachen. Eine seiner Studien zur Nutzung digitaler Gesundheits-Tools bei Querschnittlähmung ergab, dass fast 70 % der Betroffenen in der Schweiz solche Hilfsmittel einsetzten, um mehr über ihre medizinische Situation zu erfahren und ihre Symptome zu dokumentieren. Ausserdem nutzten viele diese Tools, um mit medizinischem Fachpersonal in Kontakt zu bleiben.

Dabei stiess er auch auf einige überraschende Trends. So nutzten Frauen digitale Hilfsmittel fast doppelt so häufig wie Männer. Auch ältere Erwachsene zwischen 60 und 70 Jahren nutzten diese begeistert. Gleichzeitig zeigte Renaldos Forschung auch, dass fehlendes Vertrauen viele Menschen von der Nutzung digitaler Hilfsmittel abhielt.

Dr. Renaldo Bernard mit seinen Freunden von der SPF in einer Bowlinghalle.

Renaldo (zweiter von rechts) geniesst einen Bowlingabend mit seinen Freunden von der SPF.

Um diese Lücke zu schliessen, führte Renaldo eine umfassende Analyse der verfügbaren Apps zum Selbstmanagement bei Querschnittlähmung durch. Diese Apps sollten Betroffene dabei unterstützen, ihre Gesundheit, ihren Alltag und ihre Rehabilitation selbstständig zu managen.

Trotz ihres Potenzials hatten die meisten dieser Apps nur einen begrenzten Anwendungsbereich und konzentrierten sich oft nur auf einen einzelnen Lebensbereich. Sie zeichneten beispielsweise sportliche Aktivitäten auf oder führten durch Meditationen. Was fehlte, war ein umfassenderes, praktisches Hilfsmittel, das die vielfältigen Herausforderungen des Lebens mit einer Querschnittlähmung angehen konnte.

Besonders kritisch: Viele der in den wissenschaftlichen Fachartikeln beschriebenen Apps standen der Öffentlichkeit gar nicht zur Verfügung. So konnten diejenigen, die am meisten von den Apps profitiert hätten, sie kaum nutzen.

Um dieses Problem zu lösen, begann Renaldo, sich mit sogenannten «Low-Code»-Plattformen auseinanderzusetzen. Dabei handelt es sich um nutzerfreundliche und kostengünstige Plattformen, mit denen sich Apps ohne umfangreiche Programmierkenntnisse entwickeln lassen. Er war überzeugt, dass sich damit zuverlässige und wissenschaftlich fundierte Selbstmanagement-Tools für Menschen mit Querschnittlähmung realisieren lassen – und das zu einem Bruchteil der Kosten einer herkömmlichen App-Entwicklung. Auch wenn Renaldo seine Arbeit nicht mehr vollenden konnte, prägt sein zukunftsweisender Ansatz weiterhin laufende Projekte.

Renaldo Bernard war ein Visionär, der in der Digitalisierung im Gesundheitsbereich einen Weg sah, um Menschen zu stärken und ihr Leben zu verbessern. Neben seinen wissenschaftlichen Beiträgen werden wir vor allem seine Herzenswärme, seinen Humor und sein «Löwenherz» in Erinnerung behalten – seinen unerschütterlichen Mut und sein Mitgefühl, das sein Handeln geprägt hat.

Wir werden seine Brillanz und seine Freundschaft schmerzlich vermissen. Doch sein Vermächtnis bleibt uns als wegweisendes Licht erhalten.

Ruhe in Frieden, Renaldo. Dein Wirken lebt weiter und deine Arbeit wird uns immer inspirieren.

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