Hippokrates, Vier-Säfte-Lehre, Ayurveda, chinesische Medizin und Paracelsus – ein kurzer Abriss der Medizingeschichte

Seit jeher wollen die Menschen möglichst lange möglichst gut leben. Dank diesem starken Drang ist die Medizin als Wissenschaft entstanden. Die Mediziner sollen dafür sorgen, dass wir uns bis ins hohe Alter am irdischen Dasein erfreuen können. Verletzungen und Wunden behandelten die sogenannten Wundärzte, unter Umständen der Frisör. Sie waren die handwerklich begabten Vorläufer der Chirurgen.

Wieder andere kümmerten sich darum, den Leidenden zu helfen, ihre Symptome zu lindern. Aus ihnen wurden die heutigen Pflegefachleute und Therapeuten. Besondere Bereiche waren schon immer die Geburtshilfe und Säuglingsbetreuung, wo die Hebammen wirken. Gleichermassen hatte die Pharmacia mit ihren Heilkräutern ihren eigenen Ort. Heute ist es die Apotheke.

Diese strenge Arbeitsteilung im Gesundheitswesen hat sich schon vor rund 2500 Jahren gebildet. Althergebracht sind auch die Ansätze, an die sich die Mediziner halten, um unser Leben zu verlängern. Überall in der Welt raten sie uns in erster Linie, Leiden vorzubeugen, uns Sorge zu tragen und unseren Organismus im Gleichgewicht zu halten.

Humoralpathologie, die Krankheitslehre von den vier Körpersäften

Dazu müssen wir uns an die Gebote der guten Lebensführung halten. Nur so stellen wir sicher, dass wir die Balance halten. Hippokrates (460–370 v. Chr.) gilt als Urvater der abendländischen Medizin. Er begründete die Vier-Säfte-Lehre. Jahrhunderte später verfeinerte sie der griechisch-römische Mediziner Galen (129–216 n. Chr). Seine Humoralpathologie bestimmte das medizinische Weltbild im Westen bis ins 19. Jahrhundert hinein.

hippokrates

Der griechische Arzt Hippokrates lebte vor rund 2500 Jahren. Er begründete die abendländische Medizin.

Der Humoralpathologie zufolge beleben vier Säfte unseren Körper: Blut aus dem Herzen, Schleim aus dem Gehirn, gelbe Galle aus der Leber und schwarze Galle aus der Milz. Leben wir ungesund, so haben wir bald von einem dieser Säfte zu viel, vom anderen zu wenig. Wir werden krank. Die triefende Schnupfnase veranschaulicht das.

Dass der Fiebernde zu viel Blut hat, leuchtet uns heute weniger ein. Der mittelalterliche Mediziner verordnete bei dieser Diagnose einen Aderlass, um das Mischverhältnis der vier Lebenssäfte wieder ins harmonische Gleichgewicht zu bringen.

Die organischen Energiespender bestimmen je nach mengenmässiger Verteilung auch unsere Temperamente. Galen unterscheidet vier Grundtypen: den Sanguiniker, den Phlegmatiker, den Choleriker und den Melancholiker.

viererschema der humoralpathologie um 400 v

Die Humoralpathologie, auch Vier-Säfte-Lehre genannt, gilt heute in vielen Bereichen als überholt. Dennoch war sie Wegbereiter für die heutige Naturheilkunde. (Quelle: https://www.natur-impuls.ch)

Auch Ayurveda und chinesische Medizin empfehlen Vorbeugung und Harmonie

Von einer ähnlichen Typologie gehen auch die alten Inder aus. Im Ayurveda haben sie um 500 v. Chr., also etwa zur gleichen Zeit wie Hippokrates, ihr Wissen vom Leben festgehalten. Sie unterscheiden drei Energieprinzipien, sogenannte Doshas, die entsprechende Persönlichkeitstypen prägen: Als Vata bezeichnen sie, salopp formuliert, die Quirligen, als Kapha die Gemütlichen und als Pitta den Mitteltyp der Ehrgeizigen und Jähzornigen.

Die jeweiligen Merkmale, die diese Grundtypen auszeichnen, haben alle ihre Vor- und Nachteile. Mit geeigneten Nahrungsmitteln können wir hier steuernd eingreifen. Ayurveda geht als Heilkunde vom Speisezettel aus. Er sieht für jeden anders aus – wie genau, wird in diesen beiden Videos erklärt:

Von der nahrungszentrierten Heilkunde der alten Inder sind Hippokrates und Galen weniger weit entfernt, als wir meinen könnten. Auf dem Weg zur gesunden Lebensführung empfehlen uns die beiden griechischen Ärzte die Diätetik: Zu ihr gehören nebst ausgewogener, leicht bekömmlicher Nahrung auch die Körperpflege und die sportliche Betätigung.

pastagericht

Was Diätetik im Einzelfall bedeutet, bleibt offen. Ist dieses vegetarische Pasta-Gericht gesund oder nicht?

Die Diät trägt auch bei den alten Chinesen dazu bei, dass wir gesund bleiben und lange leben. In China bedeutet das, Yin und Yang stehen im Gleichgewicht. Die medizinischen Grundkonzepte der alten Hochkulturen unterscheiden sich im Grunde kaum. Sie setzten darauf, Krankheiten vorzubeugen und die Lebenskräfte in Harmonie zu halten.

Paracelsus setzt auf Chemie

In der Renaissance schlug das westliche Abendland mit dem Einsatz chemischer Heilmittel einen neuen Weg ein. Sie schützen nicht vor Krankheitserregern, sondern bekämpfen sie, vergiften sie im besten Falle. Der Schweizer Arzt und Alchemist Paracelsus (1493–1541) trug wesentlich dazu bei, dass sich dieser Ansatz bei uns allmählich durchsetzen konnte.

paracelsus

Paracelsus war ein vielseitiger, offenbar auch schrulliger Gelehrter. Er führte das chemische Heilmittel in der abendländischen Medizin ein. (Quelle: https://pharma.unibas.ch)

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts löste die strenge Befolgung naturwissenschaftlicher Gesetze die «Säftelehre» ab. Die Mediziner gingen dazu über, vorwiegend dann einzugreifen, wenn Krankheiten schon ausgebrochen waren.

Gleichwohl erfreut sich die vorbeugende Medizin auch heute noch grosser Beliebtheit. Sie tut uns gut und hilft uns, länger und besser leben.

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