Die Darmentleerung sollte in regelmässigem Abstand (alle ein oder zwei Tage), möglichst immer zur selben Tageszeit stattfinden. Durch das Einhalten eines regelmässigen Rhythmus wird der Darm trainiert und somit kann die Kontrolle über die Darmentleerung erhalten oder wiedergewonnen werden.

Gewohnheiten

Das Berücksichtigen Ihrer Gewohnheiten und Aktivitäten kann das Regulieren der Stuhlentleerung unterstützen. Sind Sie sich gewohnt, immer morgens abzuführen? Oder gehen Sie lieber abends auf die Toilette, wenn genügend Zeit ist? Welche Lebensmittel fördern Ihre Verdauung? Wie wirken sich Getränke auf Ihre Verdauung aus? Auch Aktivitäten wie Sport und regelmässige Bewegung haben einen Einfluss auf die Verdauung und den Rhythmus der Darmentleerung und sollten deshalb berücksichtigt werden. Die Darmentleerung ist etwas sehr Individuelles. So hat beispielsweise bei manchen Menschen auch Stress oder das Reisen einen wesentlichen Einfluss auf die Verdauung.

Bei wiederkehrenden Problemen kann das Führen eines Stuhlprotokolls eine gute Hilfestellung für die Beurteilung der Situation bieten.

Arten und Techniken

Es gibt verschiedene Techniken, wie der Darm entleert werden kann.

  • Digitale Enddarmstimulation (nur bei spastischer Darmlähmung)
    Durch kreisende Bewegungen mit dem Zeige- oder Mittelfinger und gleichzeitigem leichten Druck auf die Darmwand (mind. 30 Sekunden) im Enddarmbereich kann der Stuhlreflex ausgelöst werden.
  • Digitale Darmentleerung (Ausräumen)
    Bei der digitalen Enddarmentleerung wird der Enddarmbereich manuell mit dem Zeige- oder Mittelfinger ausgeräumt.
  • Digitale Enddarmkontrolle (Nachtasten)
    Die Enddarmkontrolle dient dazu zu prüfen, ob der Enddarm leer ist und wird in der Regel nach dem Abführen durchgeführt. Da bei fehlender Sensibilität das Gefühl der Füllung fehlt, sollte auch vor dem Abführen eine Enddarmkontrolle gemacht werden. Bei der Enddarmkontrolle kreisende Bewegungen vermeiden, um nicht wieder den Stuhlreflex auszulösen.

Für alle Techniken, bei denen mit dem Finger am Anus manipuliert wird, muss unbedingt ein Gleitmittel verwendet werden, da die Verletzungsgefahr sehr gross ist. Besonders vorsichtig muss bei Analfissuren und Hämorrhoiden vorgegangen werden.

Unterstützende Massnahmen

Die Darmentleerung sollte wenn möglich sitzend auf dem WC oder Duschrollstuhl durchgeführt werden, da die Schwerkraft unterstützend wirkt. Es ist darauf zu achten, dass die Sitzposition entspannt ist und die Füsse nicht in der Luft hängen (auf einem festen Untergrund platziert sind).

Wenn die Darmentleerung im Bett durchgeführt werden muss, ist die linke Seitenlage zu bevorzugen, da der Verlauf des Dickdarmes eine Entleerung in dieser Position vereinfacht.

Bauchpresse

Vorhandene Bauchmuskulatur kann für den Abführvorgang unterstützend eingesetzt werden. Voraussetzung dafür ist eine normale Stuhlkonsistenz. Wenn die Bauchmuskulatur fehlt, können Massnahmen wie

  • Vorbeugen des Oberkörpers
  • Druck mit den Händen auf den Unterbauch das Abführen erleichtern.

Das vorherige Abklären des Blasendrucks ist empfehlenswert. Durch die Bauchpresse steigt auch der Druck in der Blase, was Einfluss auf das Blasenmanagement hat.

Kolonmassage

Bei der Kolonmassage handelt es sich um eine Form der Massage des Bauchraumes. Sie kann im Liegen oder Sitzen angewendet werden und wirkt unterstützend nach dem Verabreichen eines Zäpfchens oder digitaler Stimulation des Enddarmes.

Verabreichen von Zäpfchen (Suppositorium)

  • Das Zäpfchen für die Gleitfähigkeit durch Reiben mit den Fingern leicht erwärmen oder mit Wasser benetzen (Lecicarbon®). Keine Vaseline oder ähnliches verwenden, da damit die Wirkung verringert wird.
  • Zäpfchen zwischen Darmwand und Stuhl platzieren. Wenn die Ampulle bereits voll von hartem Stuhlgang ist, evtl. zuerst digital ausräumen.
  • Wirkungsdauer des Zäpfchens einhalten, eine Entleerungsdauer von max. 30 Minuten sollte angestrebt werden.

Tipps

  • In sitzender Abführposition sollten die Füsse zum Entlasten des Beckens auf einer festen Ablage positioniert werden.
  • Die Sitzflächen von WC oder Duschrollstuhl sollten zur Vermeidung von Druckstellen allenfalls gepolstert sein.

Spezielle Darmentleerungsmassnahmen

Darmirrigation

Die Darmirrigation ist eine Möglichkeit der Darmentleerung, wenn das herkömmliche Abführen mit Zäpfchen nicht zu einem zufriedenstellenden Ergebnis führt, wenn der Abführvorgang zu lange dauert (mehr als 30 Min.) oder weil keine Kontinenz erreicht werden kann.

Die Darmirrigation ist eine Art der Darmspülung. Bei der Darmirrigation wird ein Katheter in den Anus eingeführt und dann körperwarmes Wasser in den Darm gepumpt. Das Wasser bewirkt, dass der Darm sanft gedehnt wird und so die Darmbewegungen anregt, die den Stuhlgang Richtung Darmausgang transportieren. Die Darmirrigation muss sitzend auf dem WC oder dem Duschrollstuhl durchgeführt werden. Für die Darmirrigation gibt es heute verschiedene Komplettsysteme, die das Anwenden einfacher machen.

Wenden Sie sich an ihr Querschnittambulatorium, wenn Sie mit Ihrem Darmmanagement nicht zufrieden sind.

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  • Die Massage erfolgt im Uhrzeigersinn, da der Stuhl in diese Richtung transportiert wird.
  • Sie beginnt auf der linken unteren Bauchseite im absteigenden Dickdarm.
  • Durch sanften Druck mit der flachen Hand wird der Stuhlgang Richtung Darmausgang geschoben.
  • Man arbeitet sich langsam Abschnitt für Abschnitt auf der linken Bauchseite höher (immer Richtung Darmausgang schiebend), dann in den Bereich des querliegenden Dickdarms bis zum aufsteigenden Dickdarm auf der rechten Bauchseite.
  • Die Kolonmassage dauert zirka 10 – 20 Min.

Die Kolonmassage wirkt nur unzureichend, was kann ich tun?

Die Anwendung der Kolonmassage ist nicht ganz einfach. Es empfiehlt sich, sich durch eine Fachperson instruieren zu lassen.

Wenn ich im Bett abführen muss, was muss ich dabei beachten?

Idealerweise wird dies in linker Seitenlage gemacht. Von Bettschüsseln ist abzuraten wegen erhöhter Dekubitusgefahr.

Ist es normal, dass ich mehr als eine Stunde für das Abführen brauche?

Nein, mehr als eine Stunde sollte das Abführen nicht dauern. Falls eine Anpassung der Medikamente oder eine Optimierung der Entleerungstechnik nicht zum Erfolg führen, ist es empfehlenswert, Fachpersonen beizuziehen. Eine lange Abführzeit führt oft zu Einschränkungen im Alltag – dies beeinflusst wesentlich Ihre Lebensqualität. Es sollte deshalb eine andere Lösung gefunden werden.

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